Retro der Woche 29/2013

Ich habe 2013 das Vergnügen, in StrateGems beide Retro-Untergruppen (Beweispartien sowie alle anderen Retros) zu richten: Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe, da der Retroteil von StrateGems einer der qualitativ bestbeschickten weltweit ist. Aber das macht natürlich viel mehr Spaß, als ein Turnier zu richten, in dem man kaum auszeichnungswürdige Aufgaben findet: Vor diesem Problem werde ich hier sicherlich nicht stehen!

Aus dem diesjährigen ersten Heft habe ich eine Beweispartie ausgesucht, die sicherlich nicht allzu leicht zu lösen ist und die nicht so ganz dem momentanen Mainstream folgt und bestimmte (Umwandlungs)-Themen mehrfach setzt und kombiniert. Hier haben wir es eher mit einem Potpourri attraktiver Einzelthemen zu tun, die uns der finnische Autor präsentiert.

Unto Heinonen
P0347 StrateGems 2013
Beweispartie in 17,5 Zügen (15+14)

Wie meistens gibt die Bauernstellung die ersten Hinweise auf einen möglichen Lösungsverlauf: Bei Schwarz fehlen zwei Bauern, die aber nicht auf e3 bzw. auf der g-Linie geschlagen werden konnten: Der [sBh7] konnte nämlich nicht nach g4 oder g5 schlagen, da der [wBa2] als einziger weißer Stein fehlt: Der allerdings konnte sich nicht umwandeln, da hierfür ein weiterer Schlag erforderlich wäre, der nicht zur Verfügung steht.

Also müssen zwei schwarze Umwandlungen erfolgt sein, nämlich [sBb7]x[wBa] mit Umwandlung auf a1 sowie [sBh7] auf h1 – für andere Umwandlungsfelder stehen keine weißen Schlagopfer zur Verfügung. Vor der Umwandlung auf h1 muss Weiß also auf g4 oder g5 geschlagen haben.

Der erfahrene Löser schöpft nun sicherlich bereits Verdacht: in nur zwei Zügen kommt ein auf a1 erwandelter Springer nach e3, und die ganz offene h-Linie legt den Verdacht einer Pronkin- Turmumwandlung nahe. Das würde auch mit der schwarzen Zügezahl passen: Dann muss sich der [sTh8] auf der g-Linie, dafür benötigt er hinter seinem Bauern drei Züge – in Summe also 16, so dass noch ein Zug übrig bleibt.

Ferner sehen wir, dass die [wTa1] und [wTh1] auf alle Fälle gezogen haben müssen, da ja [sBb7] bzw. [sBh7] nur auf ihren Standfeldern umwandeln konnten. Und das weckt vielleicht den nächsten Verdacht??

Nun sollte das Lösen nicht mehr allzu schwer sein, obgleich ich es immer noch als recht knifflig empfinde:

1.h4 b5 2.Th3 b4 3.Ta3 b3 4.c4 bxa2 5.Db3 h5 6.Db6 Th6 7.b4 Tg6 8.Lb2 Tg5 9.hxg5 h4 10.Le5 h3 11.Sc3 h2 12.OOO a1=S 13.g4 Sc2 14.Ta1 Se3 15.dxe3 h1=T 16.Td6 Th7 17.Th6 Th8 18.Th1.

Da haben wir also wirklich eine Menge Themen: Die schwarze Homebase ist nicht schwer zu entdecken, dann einen Ceriani-Frolkin-Springer, einen Pronkin-Turm, Platzwechsel der beiden weißen Türme und ein klasse Tempozug 16.—Th1-h7!: Sehr gefällig, wie ich finde!

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