Kürzlich bemerkte ich zufällig, dass seit 1978 jedes Jahr (ok, 2026 lassen wir noch außen vor) mit mindestens einer Aufgabe hier im Blog vertreten ist. Da habe ich natürlich nach einem Retro aus 1977 gesucht — und bin auch sehr gut fündig geworden: Mit einem Stück, das gleichzeitig eine meiner Lieblings-Märchenschachbedingungen nutzt, nämlich Gitterschach. Damit haben wir uns hier im Blog schon beschäftigt, und aus dem einschlägigen Artikel übernehme ich gleich die Definition:
„Das Brett ist in 16 2×2 Zonen aufgeteilt, und jeder Zug muss die Zone wechseln (mindestens eine Gitterlinie überqueren), Start- und Zielfeld eines jeden Zuges liegen also in unterschiedlichen Zonen.“
feenschach 1977, 2. Preis
Gitterschach a) Wo wurden die fehlenden Steine geschlagen? Welches war der erste Zug des b) sK / c) wK? (13+10)
Beginnen wir zum Warmwerden mit Frage c). Im Normalschach könnte der weiße König über f1, d1 bzw. 0-0-0 oder durch 0-0 nach g1 gekommen sein. Da zwischen e1 und f1 keine Gitterlinie liegt, ist dieser Weg hier ausgeschlossen. Und auch der große Marsch „außen herum“ via b2 klappt nicht, denn von h2 hätte der weiße König nie nach g1 kommen können. Also beantwortet sich die Frage c), die nachträglich durch Preisrichter bernd ellinghoven aufgrund eines Kommentars von Löser Bernd Schwarzkopf in die Forderungen aufgenommen worden war, mit 1.0-0. Letzter Zug war Db1xXd1+.
Wir sehen sofort, das wLf1 nur zuhause geschlagen worden sein kann; bei der eigentlichen Lösungssuche beginnen wir mit wTa2, der „von oben“ gekommen sein muss (Ta1-a2??). Es kann auch nicht der ursprüngliche Königsturm sein, da auch er wegen der Rochade über a1 hätte kommen müssen — also haben wir auf a2 einen umgewandelten Turm. Damit der Turm „von oben“ kommen kann, muss Weiß axb3, Ta2, bxa3 und erst dann Lb2 gespielt haben — und vor axb3 musste Sb3-a1 geschehen. Dafür musste der wTa1 bereits geschlagen worden sein — nämlich zu Hause. Der weiße Königsturm muss dann also nach der Rochade auf d1 geschlagen worden sein. Und damit kennen wir die Schlagfelder aller fehlenden weißen Steine.
Und nun gilt es zu überlegen, wie der weiße Umwandlungsturm entstanden ist? Der muss sich wegen der Gitterlinien eindeutig von h4 nach d8 „durchgefressen haben“ — und damit sind dann zusammen mit dem Kreuzschlag auf b3/a3 alle fehlenden schwarzen Steine erklärt.
Und nur ein einziger Schlag des Weißen erfolgte auf einem weißen Feld — also starb der schwarze Damenläufer auf b3.
Zu den Schlagopfern des h-Bauern gehörte auch sBe7, der damit zuhause geschlagen worden sein muss. Inwieweit hilft uns diese Feststellung sofort weiter? Das wollt ihr sicherlich nun selbst ergründen?
Eigentlich gar nicht so schwer, da sich alles logisch ableiten lässt?!Zusammenfassend schrieb bernd ellinghoven: „Originelle Elemente in der Retroanalyse, die vom Gitter bestimmt ist und dessen Eigenheiten vorzüglich nutzt.“ Ja, auch meinem Eindruck eine klasse Aufgabe und tolle Werbung für „klassische Märchenretros“.