Retro der Woche 34/2021

Nachdem ich in der letzten Woche hier den 1. Preis der Beweispartien im Schwalbe-Retroturnier 2011 vorgestellt hatte, bleiben wir beim Thema, wechseln allerdings ins Jahr 2018. Eigentlich sollte dieses Turnier von einem Zweier-Team gerichtet werden, leider blieb nur Hans Gruber übrig, was allerdings der Qualität des Berichts sicher keinen Abbruch getan hat.

Reto Aschwanden
Die Schwalbe 2018, 1. Preis Abteilung A
Beweispartie in 22 Zügen (12+14)

 

Nach längerer Schaffenspause hat sich erfreulicherweise der Schweizer Großmeister Reto Aschwanden zurückgemeldet und sofort wieder großartige Aufgaben veröffentlicht.

Die weiße Stellung weist überhaupt keine sichtbaren Züge auf, hier haben wir also eine sogenannte Home Base, was immer wieder sehr ästhetisch wirkt, aber bei Schwarz lohnt es, de Züge zu zählen: 4+2+3+5+3+5=22 — alle schwarzen Züge sind erklärt. Dies heißt speziell, dass die fehlenden [Ba7] und [Bg7] zuhause geschlagen worden sein müssen: Ihnen fehlen ja Zugmöglichkeiten, da alle bereits erschöpft sind.

In seinem Preisbericht spricht Hans von „Fragen und Verzweiflung“, „denn Weiß kann fast beliebig spielen und muss nur Sorge tragen, dass seine Figuren in der zur Verfügung stehenden Zeit verschwinden“

In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass nicht nur die schwarzen Züge, sondern auch deren Reihenfolge von Anfang an fast komplett feststeht: „(f6 vor e6, Tc8 nur von a8 –- es lohnt sich, diesen und ähnlichen Erkenntnissen nachzuspüren, sie sind elegant implementiert)“.

Dann kommt er auch schon zur grandiosen Lösung des Problems — und da kann ich euch einfach nur empfehlen, die nun selbst zu finden: „Nur“ die weißen Züge bereiten hierbei größere Probleme.

Lösung


Nun sei auch abschließend die Bewertung von Hans zitiert: „Drei weiße Umwandlungsfiguren (zwei Damen und ein Turm) werfen sich schwarzen Offizieren zum Fraß vor, erweisen sich also als Prentos-Figuren! Die Darstellung mit drei Springern ist in 18 Zügen gelungen (wahrscheinlich erstmals von Michel Caillaud 1996, siehe P0008496 — TB), aber hier ist größere Zuglänge ein enormer Gewinn, weil es viel mehr potenzielle Schlagmöglichkeiten gibt und weil die Dame notwendigerweise zwei Züge auf ihr Opferfeld hin machen muss. Dass der zusätzliche Zug d2-d4 vonnöten ist, könnte man beklagen, aber das Opfer dieses Bauern fügt sich in die thematische Struktur nahtlos ein. Ein Wunderwerk voller Eleganz und Tiefe.“

Auch für meinen Geschmack eine großartige Beweispartie!

2 thoughts on “Retro der Woche 34/2021

  1. Danke für die Blumen! Natürlich war meine Intention damals, DDD darzustellen, was bei dem Schema leider knapp nicht zu klappen scheint. Weitere Versuche in der Richtung haben bislang nicht gefruchtet und die Darstellung ist immer noch ausstehend (?).
    Die Schwierigkeiten bei Prentos sind eindeutig S->L->T->D aufsteigend. Von daher ist DDT an zweiter Stelle in dieser Hinsicht.
    Der PB hat mich zufälligerweise auf eine neue Idee in der Ecke gebracht, mit etwas Glück gibt’s dann wieder mal ein Urdruck für Die Schwalbe…

Schreibe einen Kommentar zu Reto Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.