Retro der Woche 22/2021

„Du kriegst die Motten!“ begann Hans Gruber als Löser seinen Kommentar zu dieser Aufgabe: Das deutet schon darauf hin, dass wir hier etwas Besonderes erleben. Und damit sind nicht etwa die sieben Türme im Diagramm gemeint …

Nicolas Dupont
Die Schwalbe 2017, Jorge Lois gewidmet, 1. Preis
Beweispartie in 26 Zügen (15+14)

 

Schauen wir zunächst, was fehlt: Bei Weiß haben sich zwei Bauern in Türme umgewandelt, ein dritter Bauer ([Bb2]?) fehlt. Dann nämlich könnten [Bc2] und [Bf2] schlagfrei umgewandelt haben. Dazu müssen irgendwie [Bf7] und vor allen Dingen [Lf8] – der zu Hause – geschlagen worden sein.

Bei Schwarz scheint (außer der Umwandlung eines Bauern in einen Turm) nicht viel passiert zu sein – zumindest ist kaum etwas zu sehen. Bei Weiß hingegen lohnt sich das Zählen schon eher.

Zählen wir hier die sichtbaren Züge: 1+2+13+5+2+1= 24: Zwei Züge sind noch frei. Dabei bin ich von den sparsamsten Zugmöglichkeiten der weißen Türme ausgegangen: 0-0, Tfb1, Bc2-c8=T-c2 und Bf2-f8=T-f1. Für das Beseitigen der beiden fehlenden schwarzen Steine bleiben als nur zwei Züge übrig. Das klappt nur, wenn wir nicht Dd5-b7 spielen, sondern Bf7-f3 Dxf3xf8-f3-b7 — und damit sind dann alle weißen Züge erklärt.

Dann müssen wir uns überlegen, was mit dem schwarzen König passiert, wenn die weiße Dame auf f8 schlägt, wenn später dann [Bf2] auf f8 umwandelt? Dann steht ja die weiße Dame bereits auf b7.

Und das solltet ihr nun selbst versuchen herauszufinden — und dann versteht ihr vielleicht auch, warum Hans „die Motten gekriegt“ hat?!

Lösung

Preisrichter Silvio Baier schrieb dazu: „Das ist tatsächlich die Erstdarstellung des doppelten Lois in einer Beweispartie. Motiviert wird dieser durch das Schlagen des Lf8 und zwei Umwandlungen auf c8 und f8, so dass der schwarze König mangels Ausbruchs- bzw. Rückkehrmöglichkeit immer von seiner Gattin abgeschirmt werden muss. Mir ist es hier völlig egal, mit welchen Mitteln (z. B. offensichtlichen Umwandlungssteinen) gearbeitet wird. Ich teile die Begeisterung Hans Grubers in der Lösungsbesprechung und halte die korrekte Umsetzung dieses Vorhabens für eine phänomenale konstruktive Leistung, die zusammen mit der Originalität vor allen anderen dieses Schwalbe-Jahrgangs liegt. Im 10. WCCT gab es einige eineinhalbfache Setzungen, die Vollendung gelang allerdings erst hier.“

Hübsch auch, dass das Freimachen der Umwandlungsfelder jeweils mit einer Rückkehr verbunden ist: wDf3xf8-f3 sowie sLc8-d7-c8. Auch für mich ein großartiges Stück!

Und soo unthematisch sind (zumindest die weißen) Umwandlungstürme ja nun nicht: Sie lösen schließlich die Platzwechsel „hin und zurück“ aus. Wer nun meint, die könne man doch prima als Ceriani-Frolkin-Steine opfern, dem sage ich nur: „Mach es – und den Urdruck schicke dann bitte unbedingt an Die Schwalbe!“

One thought on “Retro der Woche 22/2021

  1. Das ist schon eine Hammer Aufgabe.
    Ich teile die Meinung zu den UW Figuren im Diagramm. V.a. wenn es keine Darstellung ohne solche Figuren gibt, sind sie sicherlich kein Mangel.

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