Retro der Woche 33/2020

Nachdem es hier in der letzten Zeit wieder viele Beweispartien zu sehen gab, möchte ich heute wie schon am letzten Sonntag wieder ein klassisches Auflöse-Retro vorstellen.

Bei dem Autor mögt ihr vielleicht vermuten, dass es besonders schwer sei: Das ist es aber nicht, das solltet ihr selbst einmal versuchen – schon um anschließend stolz sagen zu können, ihr hättet „einen Beluchow“ gelöst…

Nikolai Beluchow
Die Schwalbe 2009, 3. Lob
Löse auf! (14+14)

 

Auf beiden Seiten fehlen zwei Steine: Bei Weiß ist es [Ba2] und [Bf2], bei Schwarz sind es [Lc8] und ein Springer. Schwarz hat keine Doppelbauern –- also wurden entweder beide fehlenden weißen Steine von schwarzen Bauern geschlagen oder keiner. Ferner erkennen wir im Diagramm einen weißen Schlag, nämlich e2xd3.

Können die fehlenden weißen Steine von Bauern geschlagen worden sein? Nein, denn im letzten Zug muss die schwarze Dame geschlagen haben. [Ba2] scheidet als Opfer aus, denn dann hätte sTa1 wegen des eingesperrten wLc1 niemals sein Diagrammfeld erreichen können. Alles dreht sich nun darum, welcher Stein denn auf a2 entschlagen wurde -– und dieser Entschlag impliziert ja eine Umwandlung.

Betrachten wir nun, wie wir den Westkäfig auflösen können: Im Endeffekt müssen wir im Süden anfangen, um die Rücknahmen von sKb4-a5 zu erlauben: dann erst kann es im Nordwesten weitergehen.

Damit ist aber auch klar, dass der auf a2 entschlagene Stein ein Umwandlungsstein, entstanden aus [Bf2], sein muss ([Ba2] ist irgendwann auf a2 oder a3 geschlagen worden), dass die Umwandlung auf e8 stattgefunden hat und davor f6xSe7 geschehen musste: Wegen der Felderfarbe kann dort nicht [Lc8] entschlagen worden sein: Der starb auf d3.

Wir wissen also schon: Prentos-Thema (Ceriani-Frolkin mit der Besonderheit, dass der Schlag durch einen Offizier, nicht durch einen Bauern, erfolgt) — aber was war der Umwandlungsstein? Nur ein Turm scheidet offensichtlich aus, es verbleiben also noch Dame, Läufer und Springer…

Lösung

1.Db1xLa2+ h5-h6 2.Sc3-d1 Lb3-a2 3.Sa2-c3+ h4-h5 4.Tc3-c2 Ld1-b3 5.Tc2-c3+ Lh5-d1 6.f5-f4 Le8-h5 7.f6-f5 e7-e8=L 8.f7-f6 f6xSe7 9.Sf5-e7 h3-h4 10.Sd4-f5 h2-h3 11.Sb3-d4 f5-f6 12.Tc3-c2 f4-f5 13.Db1-c2 f3-f4 14.Tb1-a1 f2-f3 15.Sb4-a2 Ka2-a3 16.Sd5-b4+ Ka3-a2 17.S∼-d5 Ka2-a3 18.Kb4-a5 Sc5-a6+ usw.

Mario Richter kläre als Löser auf: „Db1xDa2? und Db1xSa2 scheiden aus, weil entweder wD/S zu spät nach e8 gelangen (die wD u.a., weil ihr h5 [wegen illegalen Retroschachs TB] nicht zur Verfügung steht, der wS, weil er sich mit dem sBf in die Quere kommt), sodass nur noch ein wL als Alternative übrig bleibt. Diese Auswahl gibt der Aufgabe ihren eigenen Reiz.“ Der Rest ist ihn etwas zu straight forward, aber ich finde es schon sehr hübsch, wie Schwarz dem La2 den Weg zur Entwandlung freimacht; besonders 4.Tc3-c2 und 5.Tc2-c3+ finde ich sehr hübsch.

Übrigens sind bis auf die Bauernzüge h2-h3 und f2-f6 (da kann der h-Bauer zu einem beliebigen Zeitpunkt seine Rücknahme machen) alle anderen eindeutig!

Und habt ihr die Verführung 5.– Le2-d1 6.f5-f4 Lf1-e2 7.f6-f5 e2xSd3 8.Sc5-d3 h3-h4 9.Sb3-c5 h2-h3 10.Tc3-c2 retropatt gesehen?

One thought on “Retro der Woche 33/2020

  1. Nice to see one of Nikolai’s early resolution retros again.
    Unfortunately he has pretty much stopped composing, but he is still a little active, see P1376210 in the PDB.

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