Retro der Woche 45/2019

In den letzten Wochen hatten wir uns hier mit dem Pronkin-Thema beschäftigt, und das wollen wir heute fortsetzen. Dazu möchte ich euch heute eine Aufgabe zeigen, die mir, wie ihr sicherlich verstehen werdet, allein schon wegen der Widmung besonders am Herzen liegt.

Nicolas Dupont
Die Schwalbe 2011, 1. Preis, Thomas Brand gewidmet
Beweispartie in 33,5 Zügen (10+15)

 

Die Stellung sieht schon heftig aus: Wir sehen vier schwarze Umwandlungssteine: drei Springer, vier weißfeldrige schwarze Läufer. Damit sind schon 20 schwarze Bauernzüge erklärt, ferner benötigen die „nördlichen“ schwarzen Steine (6.-8. Reihe) sowie sTe3 1+2+2+1+3+0=9 Züge. Somit bleiben nur noch vier Züge für die Umwandlungssteine – jeder hat also nach der Umwandlung noch genau einmal gezogen.

Damit steht fest: Alle Umwandlungen sind auf d1 erfolgt!

Weiter zitiere ich den Kommentar von Mario Richter aus der Lösungsbesprechung:

„Damit steht fest: Die umwandelnden schwarzen Bauern stammten von b7, c7, e7 und f7 und haben alle fehlenden wSteine geschlagen, darunter auch viermal auf d1. Folglich muss Weiß viermal umgewandelt haben, und zwar auf b8, f8 und zweimal g8 (Bh2xBg7, Bg2-g8). Abzüglich der anderen weißen Züge bleiben für jede wUW-Figur genau zwei Züge, um nach d1 zu gelangen. Damit steht das Spielgerüst im Wesentlichen fest, inklusive des Fakts, dass auf b8 und f8 nur wUW-DDs entstanden sein können, einzige Unklarheit ist noch, ob auf g8 Läufer oder Damen umgewandelt wurden. Wie die weiteren Auflösebemühungen dann zutage fördern, sind es in der Tat vier weiße Umwandlungsdamen, die nacheinander á la Pronkin nach d1 zurückkehren, wobei drei von ihnen dort auch noch geschlagen werden. Phantastisch!“

Lösung


Silvio Baier kommentierte speziell aus Komponisten-Sicht und hat sich Gedanken zum finden des Grundschemas gemacht: „… eine gewaltige Leistung, wenn man bedenkt, wie viele Vierfachpronkins es schon gibt. Bei genauerem Hinsehen ist das aber eigentlich gar nicht kompliziert. Die schwarzen Züge stehen fest. Vier Bauern mussten mit Schlag auf d1 umwandeln, was vier weiße Umwandlungen erfordert. Nur Damen kommen in zwei Zügen, die Weiß offensichtlich nur hat, vom UW-Feld nach d1. Der Komponist muss aus diesem klaren Schema nur eine eindeutige Zugfolge herausquetschen, was hier glücklicherweise gelungen ist.“

Und genau in dem „nur“ liegt halt die Kunst, die hohe technische Meisterschaft. Das habe ich so zusammengefasst: „Na ja, soo schrecklich kompliziert schaut ja auch die Formel E=mc2 nicht aus …“

Vierfache Pronkins sind immer noch eine Seltenheit; besonders einheitliche hatte ich hier schon vorgeführt: Die berühmte Allumwandlung (Retro der Woche 28/2014) sowie in der Form DTdt, die sogar mit Standardmaterial auskommt (Retro der Woche 12/2013).

Auf dem Gebiet gibt es also noch eine Menge zu entdecken …

2 thoughts on “Retro der Woche 45/2019

  1. A fantastic proof game, where the four obviously promoted black officers in the diagram are justified by the quadruple Pronkin on d1.
    Both Natch and Euclide have difficulties even finding a single ’strategy‘, so this problem is more quickly solved by hand than by computer.

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