Retro der Woche 12/2013

Seit einiger Zeit bin ich mit der Bewertung der über achtzig Einsendungen zur Retro-Abteilung des WCCI 2010-2012 beschäftigt. Das ist eine sehr spannende Aufgabe, die gleichzeitig den angenehmen Nebeneffekt hat, dass ich darunter auch die eine oder andere Aufgabe finde, die für die Wochen-Rubrik gut geeignet erscheint.

Einige Aufgaben, die ich hier bereits veröffentlicht habe, habe ich auch bei den Einsendungen wiedergefunden. Heute möchte ich als „neues“ Stück eine Beweispartie von Nicolas Dupont aus Lille vorstellen:

Nicolas Dupont
StrateGems 2011(v), 1. Preis
Beweispartie in 30 Zügen (13+13)

Das ist nicht nur wegen der recht hohen Zügezahl nicht einfach zu lösen: Weder kommen wir mit der reinen Betrachtung der Schlagfälle weiter noch mit dem Zählen der weißen und/oder schwarzen Züge. Allerdings fehlen auf beiden Seiten je drei Bauern, die ich aber im Zentrum nicht gegenseitig geschlagen haben können — Umwandlungs-Thematik ist also klar.

Die erforderlichen Umwandlungen von Weiß und von Schwarz müssen auf den Flügeln erfolgt sein, und dabei muss es auf beiden Seiten zu einem BxB gekommen sein, um sich gegenseitig die Wege frei zu machen für die erforderlichen Umwandlungen. Das muss wegen der anderen Bauernschläge jeweils ein weißer und ein schwarzer Schlag gewesen sein — also kommen wir auf vier Umwandlungen, zwei weiße und zwei schwarze.

Der sBb7 schränkt nun die Schlag- und Umwandlungsmöglichkeiten deutlich ein: Es kann nur klappen mit [b2]x[a7] und zwei weißen Umwandlungen auf a8, entsprechend dann [g7]x[h2] und zwei schwarze Umwandlungen auf h1 oder [a7]x[b2] mit schwarzer Umwandlung auf b1 und weißer auf a8 sowie dann auf der anderen Seite [h2]x[g7] mit weißer Umwandlung auf g7 und schwarzer auf h1.

Nun gilt es geduldig und sorgfältig die verschiedenen Alternativen zu untersuchen; besonders hilfreich scheint mir dabei zu sein, dass bei Weiß und bei Schwarz jeweils zwei Türme auf einer Seite stehen. Auch die Bauern- und Figurenstellungen im Zentrum müssen bei den Versuchen stets beachtet werden.

Das führt dann im Endeffekt zu folgender Lösung:
1.h4 e5 2.h5 Dg5 3.h6 De3 4.dxe3 a5 5.Dd4 a4 6.Kd2 a3 7.Kd3 axb2 8.a4 Lb4 9.a5 Se7 10.a6 OO 11.hxg7 c5 12.Th6 cxd4 13.Te6 fxe6 14.a7 Tf3 15.gxf3 h5 16.Lh3 h4 17.Lf5 h3 18.Le4 h2 19.Lc6 h1=T! 20.e4 Th8! 21.Sh3 Kh7 22.g8=T! d5 23.Tg1 Sd7 24.Lg5 Sf6 25.Sd2 Ld7 26.Tae1 Tag8 27.a8=D! b1=D! 28.Da1 La5 29.Th1! Db6 30.Dd1! Dd8!

Eine ziemlich sensationelle Lösung: Das ist wohl die Erstdarstellung von 2+2 Pronkins, die auch noch hübsch D/T Pärchen bilden (die thematischen Züge habe ich in der Lösung mit Ausrufezeichen versehen). In der „Future Proof Games“ Notation (Die Schwalbe, Sonderheft 250A, August 2011) wäre das

PR(D,d)&PR(T,t) — oder auch PR(D,T)&PR(d,t).

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