Retro der Woche 33/2017

Beim traditionellen „Champagner-Turnier“, das Michel Caillaud regelmäßig zu den WCCC-Treffen ausschreibt, ging es in diesem Jahr anlässlich es Dresdener Treffens um den „verallgemeinerten (Anti-) Pronkin: Ein Feld wird im Laufe der Lösung sowohl von einem Originalstein als auch von einem Umwandlungsstein gleichen Typs und gleicher Farbe betreten. Für dieses Turnier wurden die normalen Pronkins (Umwandlungsstein betritt Feld der Partieausgangsstellung des entsprechenden Originalsteins) und Anti-Pronkin (Originalstein betritt Umwandlungsfeld des entsprechenden Umwandlungssteins) ausgeschlossen.

Michel hat das Turnier in zwei Gruppen ausgeschrieben: Beweispartien und andere Retros. Heute schauen wir uns die siegreiche Beweispartie an.

Jorge J. Lois & Roberto Osorio
Champagner-Turnier Dresden 2017, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (12+14)

 

Über die weißen Züge können wir aufgrund des Diagramms nicht allzu viel sagen, aber wegen des Themas können wir schon davon ausgehen, dass die beiden fehlenden weißen Bauern thematisch umgewandelt haben.

Bei Schwarz hingegen sind schon alle Züge festgelegt: 3+1+2+5+3+4=18. Daraus können wir schon einige Schlüsse über die Lösung ziehen: Schwarz muss lang rochiert haben; anders hätten König und die Türme ihre Diagrammpositionen nicht in nur fünf Zügen erreichen können. Und wir wissen, dass [Bc7] und [Be7] zu Hause geschlagen wurden, da für sie keine freien Züge mehr vorhanden sind.

Andererseits wissen wir nun schon, dass alle fehlenden weißen Steine von Offizieren geschlagen wurden: Es kann nur vier Bauernzüge gegeben haben, somit kann kein Bauernschlag dabei gewesen sein. Und wegen der voll ausgereizten schwarzen Zügezahl kann kein schwarzer Stein einen Umweg zum Schlagen gemacht haben.

Damit scheidet auch die Möglichkeit aus, dass einer der fehlenden Bauern direkt geschlagen wurde: Beide mussten umwandeln, sich dann schlagen lassen.

Nun können wir einige Überlegungen zur Zugreihenfolge anstellen: [Be7] musste verschwunden sein, bevor [Dd8] und [Lf8] herausgespielt werden konnten, [Sb8] muss ebenso wie die Dame und [Lc8] vor der langen Rochade gezogen haben, andererseits kann er erst nach f8 ziehen, nachdem [Lf8] und [Th8] gezogen haben.

Diese und einige weitere Überlegungen bezüglich [Bd7] und [Bf7] lassen dann einen gewagt erscheinenden Verdacht aufkommen: Könnte es sein, dass sowohl die Umwandlungssteine als auch deren originalen Kollegen auf ihren Themafeldern geschlagen wurden?

Dann müssen wir „nur noch“ die Felder ausfindig machen, die Schwarz zweimal betreten musste und dann die passenden Steine ausfindig machen, sodass die Umwandlungen funktionieren und Weiß mit 18 Zügen hinkommt.
Das solltet ihr nun selbst probieren – mit diesen Vorüberlegungen sollte es nicht mehr allzu schwer sein.

1.Sc3 a5 2.Sd5 a4 3.Sxe7 Lxe7 4.d4 Lg5 5.d5 Lh6 6.d6 Dh4 7.dxc7 d5 8.c4 Lf5 9.c8=L Lb1 10.Ld7+ Sxd7 11.c5 OOO 12.c6 Kb8 13.c7+ Ka8 14.c8=S f5 15.Se7 Sxe7 16.e4 The8 17.Lb5 Sf8 18.Ld7 Txd7.

Tolle Thematik, wie ich finde!

One thought on “Retro der Woche 33/2017

  1. A fine winner of the tourney with a rather special theme.
    I like that two white pawns each needs six moves to be captured.
    Euclide 1.01 spent a couple of minutes to find the solution and a couple more to verify uniqueness.

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