Retro der Woche 32/2017

Heute beginnt das WCCC in Dresden – und heute feiert das WCCC Kommissionsmitglied Thomas Maeder aus Bern in der Schweiz seinen 50. Geburtstag. Auch von dieser Stelle, auch im Namen aller Leser, herzliche Glückwünsche und alles Gute für das nächste halbe Jahrhundert!

Sicher kennen viele von euch Thomas von WCCC Treffen oder aus Andernach – und sicher noch mehr als den Pflegevater von Popeye: Gerade erst ist eine neue Version herausgekommen.

Thomas ist auf vielen Gebieten kompositorisch und schreibend tätig (er ist z.B. Mitherausgeber von idee&form), besonders als Hilfsmatt- und Märchenspezialist bekannt, aber auch an Retros wagt er sich gelegentlich, meist in Gemeinschaftsproduktionen anlässlich von Schachtagungen.

Ein solches Produkt wollen wir uns heute ansehen.

Markus Ott & Thomas Maeder
Champagne-Turnier Turku 1995, Preis
Beweispartie in 12,5 Zügen (14+14)

 

Die übliche Inventur hilft uns hier nicht so sehr weiter: Bei Weiß sehen wir 0+3+0+1+2+2=8, bei Schwarz sind es 4+0+0+3+0+1=8 Züge.

Nur ein Doppelbauer verrät einen Schlag: Weiß muss auf a3 [Dd8] geschlagen haben: Ansonsten fehlt bei Schwarz nur [Bg7]; der aber kann nicht umgewandelt und sich dann geopfert haben: Dafür sind doch nicht genug schwarze Züge frei.

Durch das Damenopfer sind allerdings zwei weitere schwarze Züge erklärt, sodass nun nur noch zwei frei sind.

Nun müssen wir uns Gedanken machen, wie denn [Bg7] und die beiden weißen Türme verschwunden sein könnten? Bei [Ta1] suggeriert die Stellung natürlich „zu Hause vom Läufer geschlagen“. Und [Th1] könnte [Bg7} geschlagen haben, um dann selbst dort geschlagen zu werden. Dann wären auch bei Weiß noch genau zwei Züge frei.

Das setzt voraus, dass [Dd1] wirklich in drei Zügen nach h2 gelangt sein kann. Dabei stört allerdings entweder [Ta1] oder, wenn vom Läufer geschlagen, dieser Läufer. Und ebenso stört [Lc1].

Da schießt einem vielleicht sofort der Gedanke „Bahnung“ durch den Kopf?! LxTa1, Lb2, dann machen diese beiden Läufer Platz für die weiße Dame und kehren dann wieder nach a1 bzw. b2 zurück. Das erfordert für beide Läufer zwei zusätzliche Züge – die haben wir genau noch frei!

Das solltet ihr nun selbst rasch zu lösen versuchen!

1.h4 d5 2.Th3 Dd6 3.Tg3 Da3 4.Txg7 Lxg7 5.bxa3 Lxa1 6.Lb2 Kd7 7.Lg7 Lf6 8.Sc3 Ke6 9.Da1 Kf5 10.Sd1 Kg4 11.De5 Lf5 12.Dh2 La1 13.Lb2.

Eine sehr hübsche und sparsame Ll-Bahnung gefolgt von einer lL-Bahnung der gleichen Läufer als Rückkehr. Ich finde, eine sehr werbewirksame Beweispartie, die auch Partiespielern Spaß machen sollte (probiert es doch mal im Verein aus!): Das gemischtfarbige Läuferspiel ist ja wirklich spektakulär!

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