Retro der Woche 52/2016

Am heutigen Weihnachtstag wieder ein Blick zwanzig Jahre zurück: Hier können wir also wieder „klassische“ Themen erwarten. Passend eine Beweispartie aus dem hohen Norden, wo der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten, mit den Rentieren gestartet ist.

Unto Heinonen
Springaren 1996, 2. Preis
Beweispartie in 19 Zügen (13+12)

 

Nur ein sichtbarer Bauernschlag durch Schwarz, nur zwei durch Weiß, somit bleiben zunächst jeweils zwei Schläge unerklärt. Aber dann fällt uns hoffentlich sofort der fehlende sLc8 auf: Der kann nicht gezogen haben, muss also zu Hause geschlagen worden sein. Und die Überlegungen, wie der verschwunden ist, werden uns helfen, der Lösung auf die Spur zu kommen.

Doch beginnen wir erst einmal damit, die sichtbaren Züge zu zählen. Bei Weiß sehen wir 2+1+0+2+3+3=11 – es bleiben also noch acht Züge frei. Bei Schwarz schaut es zunächst noch schlimmer aus: Nur 2+0+0+0+1+4=7 Züge haben hier Spuren im Diagramm hinterlassen. Also sollten wir uns nun anschauen, welche Steine fehlen, wo sie geschlagen worden sein können. Bei Weiß fehlen [Ba2], [Bb2] und [Bc2], bei Schwarz neben [Lc8] noch [Dd8], [Lf8] und [Bh7].

Warum kann es nicht [Bg7] sein? Nun, dann hätte Weiß doch zu wenige Züge: Dann müsste ein weißer Bauer umgewandelt und sich ein Stein auf g6 geopfert haben. Da Weiß aber noch den [Lc8] schlagen muss, kann das auch mit acht freien Zügen nicht klappen.

[Dd8] und [Lf8] brauchten jeweils mindestens zwei Züge, um sich auf g3 bzw. e3 zu opfern, also hat Schwarz „nur noch“ acht Züge frei.

sBb6 kommt offensichtlich von a7; auf b6 muss sich einer der fehlenden weißen Bauern geopfert haben, dafür braucht er drei Züge. Bleiben also noch fünf Züge, um Lc8 zu schlagen. Für die weißen Springer reicht es nicht, aber die Dame könnte es in insgesamt sechs Zügen schaffen: Einen haben wir ja bereits gezählt. Also z.B. Dd1-d6-c7xc8-c7-d6-d3. Damit wären alle weißen Züge verbraucht – doch nun merken wir, dass dann der fehlende schwarze Bauer nicht mehr verschwinden kann: Wo sollte das passiert sein? [Th1] könnte es nun versuchen, denn er kann auf seinem Weg nach c8 [Bh7] entsorgen: Bh6, dann Txh6-c6xc8.

Nun stellen wir aber mit Schrecken fest, dass er ja für seinen Rückweg drei Züge braucht, die er aber nicht hat. Aber er kann ja anders entweichen, nämlich via a8 nach a1! Dann aber kommt Th1 im Diagramm von a1 – und das klappt, denn Weiß kann durch die lange Rochade einen Königszug einsparen, der nun für Td1-h1 zur Verfügung steht.

Bei beiden noch fehlenden weißen Bauern konnten nicht mehr ziehen, mussten also zu Hause geschlagen werden. Könnte das vielleicht [Ta8] gemacht haben? Der muss ja irgendwie Platz für seinen weißen Kollegen schaffen. Aber wie kann der denn dann wieder zurück nach a8 kommen, ohne dem weißen Turm in die Quere zu kommen?

Da kommt dann ein Verdacht auf: Sollte Schwarz etwa auch… Auch das könnte klappen mit kurzer Rochade, [Sb8] muss zusätzlich Platz dann für beide Türme machen, dann kommen sich die Türme auch nicht in die Quere!

Vielleicht wollt ihr es selbst versuchen herauszufinden, wie sich dann [Ta8] Richtung h8 durchschlägt?

1.b4 c5 2.b5 Dc7 3.b6 Dg3 4.hxg3 h6 5.Txh6 axb6 6.Tc6 Txa2 7.Sa3 Txc2 8.Lb2 Tc4 9.Sc2 Tch4 10.e4 g6 11.Lc4 Lh6 12.Se2 Le3 13.dxe3 e6 14.Dd3 Se7 15.OOO OO 16.Txc8 Sbc6 17.Ta8 Th8 18.Ta1 Ta8 19.Th1 Sb8.

Wer hätte das beim ersten Blick aufs Diagramm vermutet, dass beide Turmpaare ihre Plätze getaucht haben? Hübsch auch die Rückkehr des Sb8, der die a-Linie freihalten muss. Ein wunderschönes Werbestück für Beweispartien, finde ich.

Nachtrag 26.12.2016:
Dank an Anders Uddgren für den Hinweis auf die Auszeichnung der Aufgabe, die ich nachgetragen habe.

2 thoughts on “Retro der Woche 52/2016

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