Retro der Woche 16/2014

Heute möchte ich mit euch zusammen einen Blick zurück in das Jahr 1989, also vor 25 Jahren werfen, eine klassische Auflöse-Aufgabe vorstellen, die mir immer noch sehr gut gefällt, auch wenn sie keine extrem spektakulären Themen enthält, auch wenn die Auflösung nicht in jedem Zug eindeutig vonstatten geht.

 

Alexander Kisljak (B. Klementjew gewidmet)
feenschach 1989, 2.-3. ehr. Erw.
Löse die Stellung auf (14+11)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Schlagbilanz: Bei Weiß fehlen zwei Steine; einer wurde auf f6 geschlagen, und dann kann das Schachgebot im Diagramm nur durch einen Schlagfall, also TxXh2+ erklärt werden. Bei Weiß sieht man zunächst nur den Schlagfall dxe3. Da aber der [wBa2] fehlt, muss der sich umgewandelt haben. Das kann nicht auf a8 erfolgen, da er nicht am [sBa7] vorbeikommen konnte, also auf b8 umgewandelt hat. Der sBh4 kann nicht geschlagen haben, kommt also von h7 – und das bedeutet, dass zwei weiße Bauernschläge auf dem Königsflügel, genauer gesagt auf g und h, erfolgen mussten. Dabei konnte niemals der [sBc7] geschlagen werden, der sich auch nicht schlagfrei umwandeln konnte, also auf der c-Linie geschlagen wurde.

Betrachten wir nun, welche Schläge zurückgenommen werden können, so stellen wir fest, dass der für die Auflösung des Ost-Knotens erforderliche Entschlag exXf6 erst zurückgenommen werden kann, wenn [sLf8] wieder zu Hause ist. Dieser Läufer ist aber noch gar nicht auf dem Brett, und der kann auch nicht schnell mittels d2xLe3 hervorgezaubert werden, da dies den [wLc1] ausschließen würde.

Nach dem initialen Entschlag auf h2 muss Schwarz schnell eine weiße Figur freispielen, die sich auf b8 entwandeln muss.

Im Laufe der Lösung müssen beide Seiten abwechselnd dafür sorgen, der anderen Partei ausreichend Zugmöglichkeiten zu verschaffen, um Retropatt zu vermeiden.

R 1.– Th1xLh2+ 2.c6-c7 Te4-e7 3.c5-c6 Tg4-e4, und nun kann Sg2 Richtung b8 starten: 4.Se1-g2 Tg4-g2 5.Sc2-e1 a3-a2 … 8.Sb8-c6 a6-a5 9.b7-b8=S! a7-a6, der folgende Entschlag ermöglicht dann, den wLh2 frei zu spielen. 10.a6xSb7 Sd8-b7 11.c4-c5 Sc6-d8 12.c3-c4 Se5-c6 13.c2-c3 Sf3-e5 14.Le5-h3 Sh2-f3+ Weiß musste mit dem c-Bauern (und nicht mit [wBa2] die Züge zurücknehmen, damit der schwarze c-Bauer entschlagen werden kann, um ein schwarzer Retropatt zu vermeiden. 15.Lc3-e5 b7-b6 16.Ld2xBc3! d4-d3 17.Lc1-d2 d5-d4 18.d2xLe3!Lc5-e3 19.a5-a6 Lf8-c5 20.a4-a5 e7xSf6! Das wurde Zeit, denn der weiße a-Bauer darf nicht weiter zurück, da sonst der [wTa1] ausgesperrt würde. 21.Se4-f6+ c4-c3 22.Tb6-g6 c5-c4 23.Sg6-h8 c6-c5 24. Se5-g6 c7-c6 und nun kann als letzte Feinheit die wD den Kafig noch nicht verlassen, da Schwarz ansonsten retropatt wäre, da die einzig mögliche Rücknahme d6-d5 wäre, was aber den [sTa8] aussperren würde; also 25.Dh8-h7! Kg6-h5 26.Sd3-e5+ usw.

Auch wenn nicht alle Zugwege der Springer eindeutig sind, ist für mich der wiederholte Wechsel des aktiven Figurenspiels und der Rücknahme von Bauernzug-Serien beider Parteien sehr attraktiv.

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