Retro der Woche 18/2026

Vor einigen Tagen erschien das April-Heft von idee&form, in dem Reto Aschwanden seine Serie über Interna seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio, das ja hier auf der Site gehostet wird, mit der achten Folge fortsetzt.

Hier beschäftigt er sich mit der zentralen Komponente der Strategie-Analyse, deren Ziel es ist, den riesigen „Baum“ aller Zugfolgen zur Diagrammstellung möglichst stark zu beschneiden, um eine Chance zu haben, die Aufgabe in überschaubarer Zeit prüfen zu können.

Die Aufgabe, anhand derer Reto einige Prinzipien der Strategie-Analyse vorstellt, ist aber nicht nur unter diesem „technischen“ Aspekt interessant, sondern einfach auch eine gute, attraktive Beweispartie.

Die wollen wir uns gemeinsam anschauen — und dabei unsere eigene Strategie-Analyse durchführen.

Unto Heinonen
StrateGems 2006, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17 Zügen (13+13)

 

Zählen wir die im Diagramm sichtbaren schwarzen Züge, so kommen wir auf 2+1+3+4+3+4=17 Züge — alle schwarzen Züge sind also erklärt. Daraus können wir aber gleich weitere Schlüsse ziehen: So ist klar, dass die fehlenden schwarzen Steine, drei Bauern, auf ihren Ursprungsfeldern auf der 7. Reihe geschlagen wurden.

Auch bei Weiß fehlen drei Bauern, und von denen konnte keiner von einem schwarzen Bauern geschlagen worden sein, da alle schwarzen Bauern entweder überhaupt nicht oder exakt einmal gezogen hatten. Da die vier Bauern auf der fünften Reihe stehen, haben sie jeweils einen Doppelschritt gemacht, also nicht geschlagen.

Wo sind sie dann und von wem geschlagen worden?

Nun, als Bauern konnte höchstens einer geschlagen werden! Warum nicht mehr?

Wir haben ja gesehen, dass die Bauern b7, e7 und f7 zuhause geschlagen wurden, sie können also den weißen Bauern nicht vorher schon als Schlagobjekt dienen. Aber auf „ihrer“ Linie , also c, d und g, konnten sie auch nicht geschlagen worden sein: Schwarz hat keine Züge frei, um dort zu schlagen. Also haben die weißen Bauern geschlagen — nämlich jeweils einen der fehlenden schwarzen. Und von denen wissen wir schon, dass sie niemals hatten ziehen können.

Also waren die Schläge cxb7, dxe7 und gxf7. Somit konnte höchstens der weiße Bauer auf e7 (und dann vom König) geschlagen worden sein, die beiden anderen mussten umwandeln und wurden anschließend geschlagen.

Haben alle drei weißen Bauern umgewandelt, so bleiben den neuen Steinen nur zusammen zwei Züge Zeit, vom Brett zu verschwinden. Einer wurde dann also auf seinem Umwandlungsfeld (Schnoebelen-Thema) geschlagen. Ansonsten bleiben den beiden umgewandelten Bauern drei Züge, um sich schlagen zu lassen.

Damit gilt es nun herauszufinden, ob der schwarze König auf e7 schlagen konnte oder nicht. Die zweite Alternative ist inhaltlich sicher interessanter, aber das ist natürlich kein Beweis …

Den solltet ihr nun selbst führen: Die zentrale Frage ist also: Wo wurden die fehlenden weißen Steine geschlagen?

Lösung


Die Dreifachsetzung des Prentos-Thema mit Türmen (Schnoebelen-Umwandlungen realisieren automatisch auch das Prentos-Thema) wurde hier wahrscheinlich zum ersten Mal gezeigt. Und warum konnte nicht Kxe7 erfolgt sein? Weil dann der König seinem schwarzfeldrigen Läufer permanent im Weg gestanden hätte.

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