Retro der Woche 41/2022

Preisrichter Kostas Prentos war vom Gesamtniveau des 10. FIDE-World Cup nicht begeistert, das erstplatzierte Stück allerdings ist schon sehr attraktiv, wie auch ich finde, obgleich das eine oder andere Motiv nicht mehr ganz neu ist. Aber welche Beweispartie ist heute schon vollständig „neu“? In meinem Text orientiere ich mich an Kostas‘ gründlicher Besprechung dieser Aufgabe.

[php]tb_dia(„1nb2bnk/Bp1pp2p/8/QRp4r/q6P/1pNP2N1/P1P1Bp2/2KRr3“, „Velmurugan Nallusamy“, „10. FIDE-World Cup, 1. Preis“, „Beweispartie in 20 Zügen (12+15)“); [/php]

 

Alle 20 schwarzen Züge sind sichtbar: 3+2+7+0+0+8=20. Dabei müssen wir bei sTe1 unterscheiden, ob dies der Originalturm (dann benötigt er 3 Züge, der sSg8 zusätzliche 2) oder ein Umwandlungsbauer ist — dann wurde [Th8] zu Hause geschlagen.

Bei Weiß ist es nicht so klar, hier sehen wie 1+2+3+3+3+2=14 Züge. Da kein schwarzer Stein nach b2 gelangen konnte, muss [Bb2] auch mindestens einmal gezogen haben, sodass noch fünf weiße Züge frei sind. Nun können wir uns noch Gedanken zum Verschwinden des [Be2] und seines Kollegen [Bg2] machen.

Wurde [Be2] nicht zu Hause geschlagen, musste er vier Züge machen, um verschwinden zu können. Das gilt so oder so auch für [Bg2] — also wurde [Be2] geschlagen, ohne dass er gezogen hat — und damit wissen wir, dass sTe1 ein Umwandlungsturm ist und [sTh8] auch zu Hause geschlagen wurde. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn wir Bg2-g7xTh8=X erkennen. Der Umwandlungsstein konnte dann nicht mehr ziehen — Schoebelen-Umwandlung.

Nun haben wir schon eine Menge herausgefunden, und nun ist noch spannend, was im Westen passiert ist, wie beispielsweise [Bb2] verschwand.

Das allerdings empfehle ich euch selbst herauszufinden; da gibt es eine ziemlich originelle Motivation für ein nicht ganz unbekanntes Manöver.

[su_spoiler title=“Lösung“]

[pgn]
1. h4 a5 2. Rh3 a4 3. Rb3 Ra5 4. d3 Rh5 5. Be3 g5 6. Ba7 c5 7. Rb5 Qa5+ 8. b4 axb3+ 9. Qd2 Qa4 10. Qa5 g4 11. Nc3 g3 12. O-O-O gxf2 13. g4 f5 14. g5 f4 15. g6 f3 16. g7 fxe2 17. gxh8=R e1=R 18. Nge2 Kf7 19. Ng3 Kg7 20. Be2 Kxh8 {Valladao-Task mit allen drei „Sonderzügen“: Rochade, Umwandlung, en passant} *
[/pgn]

[/su_spoiler]

Habt ihr erkannt, weshalb sich der achte und der neunte weiße Zug nicht vertauschen lassen? Weiß muss wegen der erforderlichen Umwandlung auf e1 rasch rochieren, und dafür müssen [Dd1] und [Sb1] fix ihre Partieanfangsfelder verlassen. Bei der falschen Reihenfolge gibt es dann Konflikte zwischen den beiden Damen und sBa4, die sich bei der richtigen Reihenfolge vermeiden lassen. diese Art der Begründung scheint wirklich originell zu sein!

One thought on “Retro der Woche 41/2022

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.