Retro der Woche 40/2022

Heute komme ich — mit herzlichen Grüßen vom Schwalbe-Treffen in Jena — noch einmal auf das Retro-Informalturnier 2015-2016 von Problem-Paradise zurück, aus dem ich in der letzten Woche bereits den zweiten Preis vorgestellt hatte: Den ersten habe ich mir und euch für heute aufgespart.

Ken Kousaka & Satoshi Hashimoto
Problem Paradise 2015-2016, 1. Preis
Beweispartie in 20,5 Zügen (16+13)

 

Bei Weiß sehen wir (nur) 4+1+0+0+0+4=9 Züge — gleich 12 sind noch frei! Bei Schwarz ist es schon deutlich enger: 1+2+3+3+4+3=16. Doch dann sehen wir, dass auf f3 nur der fehlende schwarze Turm geschlagen werden konnte: Der braucht dorthin drei Züge, also haben wir 19 schon fixiert, damit ist nur noch einer frei.

Klar ist damit auch, dass zumindest einer der fehlenden Bauern [Bd7] und [Bg7] zu Hause geschlagen worden sein muss.

Das kann jeweils einer der weißen Läufer in vier Zügen erledigen, wobei [Lf1] über h3 oder über b5 nach d7 gelangt sein kann — oder auch wieder zurück!

Nun betrachten wir einmal den sLd3: Der kann natürlich erst herausgespielt worden sein, nachdem [Bd7] verschwunden ist. Aber sehr früh muss [Sg8] nach e4 gelangt sein, um — nach Lxg7-b2 — sich rasch weiter entwickeln zu können. Dann aber kann [Lc8] offenbar nicht in zwei Zügen nach d3 gekommen sein, sondern er bracht drei und damit den letzten noch freien schwarzen Zug.

Welchen Weg hat er nun einschlagen müssen, um sein Zielfeld zu erreichen? Und vor allen Dingen: Was bedeutet das für das weiße Spiel? Das lohnt sich zu erforschen, und dazu lade ich euch herzlich ein!

Lösung


Hans Gruber fasste den Inhalt der Aufgabe in feenschach 243 knapp zusammen: „Zwei konsekutive Rundläufe des [Lf1], raffiniert implementiert und gut kaschiert.“ Das ist wirklich klasse: [Lf1] muss [Bd7] beseitigen, kann aber nicht auf direktem Wege wieder zurück, sondern muss rundlaufen. Kaum ist er wieder daheim, muss er ohne zu verschnaufen sich wieder auf dieselbe Tour machen — „nur“ um für den Weg seines schwarzen Kollegen von c8 nach d3 Platz zu schaffen, damit er sein Zielfeld erreichen kann.

Und ich finde, die Rückkehr des Kollegen auf c1, ebenfalls, um einen Bauern wegzuräumen, ergänzt sehr gut den Inhalt. Ich bin jedenfalls ganz angetan von dem Stück!

2 thoughts on “Retro der Woche 40/2022

  1. Hallo Thomas,

    ich finde, bei der vorliegenden Aufgabe lohnt es sich, bei den Formulierungen so exakt wie möglich zu sein, sonst entgeht einem womöglich eine – wie ich finde – recht nette Verführung.
    Also: statt “kann [Lc8] offenbar nicht in zwei Zügen nach d3 gekommen sein, sondern er braucht drei und damit den letzten noch freien schwarzen Zug” [fehlendes “u” in “bracht” ergänzt] sollte es besser heißen: “Das Verbringen des sLc8 nach d3 kostet insgesamt 3 Züge”. Worin liegt der Unterschied? Nun, Deine Formulierung suggeriert, daß der sLc8 alle 3 Züge selbst/allein gemacht hat, meine läßt auch zu, daß der sLc8 nur zwei Züge macht und der dritte von einem anderen Stein ausgeführt wird.

    Konkret:
    1. b3 d6!? 2. La3 Lf5 3. Lxd6 Sc6 4. Le5 Dd6 5. Lxg7 Td8 6. h4 Dh2 7. Lb2 Sf6 8. Lc1 Tg8 9. Sc3 Tg3 10. Se4 Tf3 11. exf3 Td5 12. Ke2 Tb5 13. Kd3 Sd8 14. Kc4 e5 15. Sc3 Lb4 16. Sb1 c5 [3nk3/pp3p1p/5n2/1rp1pb2/1bK4P/1P3P2/P1PP1PPq/RNBQ1BNR]
    funktioniert bis dahin sehr gut, nur geht es jetzt nicht mehr weiter.

    Die “Abbruchstellung” illustriert auch sehr gut, mit welchen technischen Mitteln der thematische Inhalt realisiert wurde: alles dreht sich um die Frage, wie um alles in der Welt der wK nach d5 gelangte (diese Frage drängte sich mir sofort beim Anblick des Diagramms auf). Der obige Fehlversuch ebenso wie einige andere (z.B. sLc8-e6-c4-d3) scheitern alle an verschiedenen Vertikal- bzw. Horizontalsperren, in die jeweils der sLc8 involviert ist, wenn er versucht, “von oben”, d.h. von oberhalb der 3. Reihe, nach d3 zu gelangen. Hat man das erkannt und außerdem ausgeschlossen, daß der wK evtl. über b2 gereist ist (bei Hashimoto kann man sowas nicht von vornherein ausschließen), bleibt nur die Alternative, daß der sLc8 “von unten” (also via f1) nach d3 gelangte, womit man dann auch den Schlüssel für die endgültige Auflösung in der Hand hält …

    Thomas, ich wünsche Dir und den anderen Schwalben noch interessante und spannende Tage in Jena. Ein spezieller Gruß geht an alle anwesenden Retrofreunde!

    mario

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.