Nikita Plaksin 90

Nikita Plaksin ist sicherlich einer der bekanntesten, produktivsten und besten Retro-Komponisten aller Zeiten; heute vollendet er sein 90. Lebensjahr — ihm ganz herzliche Glückwünsche zum Geburtstag!

Seit dem Jahr 2001 ist der Wasserbau-Ingenieur FIDE-Meister für Schachkomposition (16,5 Album-Punkte); bereits seit 1989 ist er Internationaler Preisrichter für Retros. Allein in der PDB sind von ihm 1520 Retros enthalten, von denen er fast 1150 in feenschach veröffentlicht hat. Das liegt vor allen Dingen daran, dass er sich intensiv mit „Märchen-Retros“ beschäftigt hat, speziell mit Lastmovern-Ökonomierekorden, dies häufig gemeinsam mit Andrej Kornilow.

Besonders bekannt ist er aber für seine beinahe 100 Aufgaben mit Nutzung der 50-Züge-Regel, wonach ein Remis (bei Retros automatisch!) eintritt, wenn seit 50 Zügen kein Schlag oder Bauernzug stattgefunden hat — meist wird auch die Rochade als „die Regel unterbrechender Zug“ hinzugezählt. 1979 hat Plaksin dazu in Problem einen bekannten Artikel 50×50 veröffentlicht, in dem er — ihr ahnt es — 50 eigene Aufgaben mit diesem Thema vorstellt. Sehr lesens- und studierenswert, aber nicht gerade „leichte Kost“ wegen der doch recht lakonischen Lösungsangaben.

Als Beispiel möchte ich eine Aufgabe aus den Märchen-Lastmove-Untersuchungen zeigen, allein schon um zu demonstrieren, dass auch die Verwendung zweier Märchenarten nicht automatisch schwer zu lösende Stücke hervorbringen.

Nikita Plaksin & Andrej Kornilow
feenschach 12/1982
Letzter Zug? Circe, monochromes Schach (5+1)

 

Bei diesem Stück solltet ihr euch aber auch Gedanken zumindest über den vorletzten Zug machen. Die Lösung folgt an dieser Stelle traditionsgemäß in etwa einer Woche.

Lösung

Mit letztem Zug von Schwarz klappt es nicht: R 1.– Kb1-a2/Kb1xBa2 2.0-0+ Kc2-b1: Weiß hat keinen legalen letzten Zug.

Also R 1.0-0! Kb1xTa2!, und nun hat Weiß Tempozüge mit seinem Umwandlungsturm, und der schwarze König kann via c2-d1-e2-f3 nach draußen kommen.

Und warum ging nicht R 1.– Kb1-a2 2.0-0 Kc2xTb1? Weil der Turm als Umwandlungsstein (das Original steht ja auf h1!) wegen „monochrome“ niemals auf die erste Reihe gelangen konnte!

Klein und unscheinbar, aber doch mit einigem Tiefgang!

9 thoughts on “Nikita Plaksin 90

  1. Die Lösung R 1.0-0! Kb1xTa2! WÄRE eindeutig, aber nur soweit die im Diagramm vorhandenen Steine betroffen sind. Da hier jedoch Circe gilt (für beide Seiten!!!), FEHLT mM ein s Stein auf s Feld im Diagramm. Wohin ist der verschwunden? Der „letzte“ MÜSSTE doch entweder noch im Diagramm vorhanden sein (weil Wiedergeburt!) ODER er wurde auf seinem Wiedergeburtsfeld von einem w Stein auf s(!) Feld geschlagen – und DIESER w Stein müsste dann im Diagramm noch vorhanden sein. Auf s Feld steht aber nur der wK (bisher UNBEWEGT wegen Rochade!) und der wBf2, der entweder noch gar nicht gezogen haben konnte ODER nach Schlagen selbst wiedergeboren wurde, wofür dann aber erneut ein s Stein auf s Feld im Diagramm enthalten sein müsste. Wie ich auch im Vorkommentar ausgeführt habe, scheint das Diagramm daher ILLEGAL!??

    • Weitere Überlegung:
      Wenn der „FEHLENDE“ s Stein auf s Feld im Diagramm für die Lösung wirklich unerheblich wäre, dann könnte es wohl auch die sDd8 sein, die da fehlt! Und schon hätten wir einen 2. Lösungszweig: R 1.Kh2xDg1[+Dd8] Dg5/7-g1 (nachdem der originale wT vorher auf Reihe 7 einen wB auf dessen w Ursprungsfeld schlug, eine Lösung ohne Rochade also).

      Es dürfte auch nicht genügen, dass der wT „irgendwo auf Reihe 8 auf w Feld“ umgewandelt wurde, es MUSS durch Schlagen einer s Figur auf deren Ursprungsfeld erfolgt sein (daher keine Wiedergeburt!), sonst ergäbe sich das gleiche Problem wie vorstehend auch mit einem s Stein auf w Feld…!

      Wenn man solche Überlegungen dabei aber ebenfalls ausblendet (und im Diagramm die „vorangehende“ Circe-Thematik auf s Seite ignoriert), dann wäre ev. auch denkbar, dass der wB(b3) zunächst noch auf a2 stand und daher zuletzt auch ein s Zug möglich wäre: R 1.– Kb1-a2 2.0-0 Kc2xTb1[+Th1] 3.Ba2x?b3[+!??] Kd1-c2 4.Tb7-b1 Ke2-d1 5.TxBb7[-]…

      Ich denke das könnte beweisen, dass aus DIESEM unvollständigen Diagramm die einzig richtige Lösung nicht abzuleiten ist!

      • ***Korrektur***: die ‚alternative‘ R-Zugfolge von zuletzt enthält einen Fehler, sie könnte richtig lauten:
        …dann wäre ev. auch denkbar, dass der wB(b3) zunächst noch auf a2 stand und daher zuletzt auch ein s Zug möglich wäre: R 1.– Kb1-a2 2.0-0 Kc2xTb1[+Th1] 3.Ba2xLb3[+!??] Le6-b3 4.Tb7-b1 Kd1-c2 5.TxBb7[-]…

      • Bezüglich der Legalität von Märchen-Auflöseretros gibt es zwei Meinungen: die „strikte“ fordert, dass die Stellung unter Nutzung der Bedingung(en) bis zur Partieanfangsstellung zurückspielbar sein müsse. Danach ist diese Stellung hier illegal.

        Die „laxere“ fordert nur, dass die Auflödung unter den Bedingungen bis zu einer „retrograden Ruhestellung“ zurückgeführt werden müsse: ein möglicher Knoten ist aufgelöst, und noch unter den Bedingungen können Schwarz und Weiß dar Zugrecht wechseln — also eine Position, wo man im orthodoxen Auflöseproblem einfach „etc.“ schreiben würde. Danach ist die Stellung legal, die Ruhestellung tritt ein, wenn der wT entschlagen und der sK dem Südkäfig entfliehen konnte. Danach ist diese Stllung hier legal.

        Ich will nicht verhehlen, dass ich bei ansonsten gleichwertigen Stücken die „striktere“ Auslegung vorziehen würde. Plaksin war/ist bei diesen Rekordkonstruktionen eher auf der „laxen“ Seite.

      • Danke für die Antwort! Die „laxe“ Vorgangsweise halte ich persönlich eher als unglücklich (die Grenze zwischen „Fehler“, Übersehen und beabsichtigter Auslassung scheint SEHR dünn zu sein), aber vermutlich ist es ein oftmals notwendiger Kompromiss! Gemäß deiner Formulierung „…dass die Auflösung UNTER den Bedingungen bis zu einer ‚retrograden Ruhestellung‘ zurückgeführt werden müsse: ein möglicher Knoten ist aufgelöst, und NOCH UNTER DEN BEDINGUNGEN können Schwarz und Weiß das Zugrecht wechseln…“ müssten also bei laxer Interpretation NUR jene (s) Wiedergeburten im Diagramm auch tatsächlich aufscheinen, die im Zuge der unmittelbaren Auflösung des Knotens selbst entstehen (was für beide meiner „Zusatzlösungen“ zuträfe), d.h. nur bei Fehlen „dieser“ s Wiedergeburten läge Illegalität vor. Und genau DESHALB wären die beiden Zusatzlösungen unzulässig…

        Jedensfalls dürfte aus der „laxen“ mit einfachsten Mitteln eine „strikte“ Lösung gemacht werden können, wenn man ins Diagramm zusätzlich (zB) einen sLe7 oder einen sBc5 setzt! Denn selbst dann, wenn die laxe Vorgangsweise einen solchen im Diagramm nicht unbedingt erfordert, dürfte doch außer Zweifel stehen, dass ein solcher (real) vorhanden sein MUSS!

      • Sorry, wenn ich nochmals nachhake, aber der Anlassfall scheint mir durchaus interessant: Bei genauerem Durchdenken der Argumentation für eine „laxe“ Interpretation eröffnet sich hier unter Circe eine weitere Gegen-Perspektive, die mM deren grobe Unzweckmäßigkeit aufzeigt. Rein logisch betrachtet MUSS es unter Circe diesen vorstehend besprochenen s Stein (auf s Feld) geben, auch wenn er in laxer Interpretation im Diagramm nicht aufscheinen muss, da er nicht unmittelbar Teil der Auflösung des Knotens im Retrospiel ist. Dieser Stein könnte also auch rein zufällig (daher quasi „unsichtbar“!) auf d8 stehen. Diesfalls könnte dann aber die auf g1 in meiner 1. Alternativlösung geschlagene sD auch im Rahmen der Auflösung unter den Bedingungen bis zur ‚retrograden Ruhestellung‘ (wegen „unsichtbar“ besetztem Wiedergeburtsfeld d8) nicht wiedergeboren werden. Als logische Konsequenz wäre demnach auch die 1. Alternativlösung „laxe“ betrachtet nicht zwangsläufig ILLEGAL, obwohl die sD im Diagramm nicht auf d8 steht (weil stehen kann)!!!

        Und gleichartig gilt dies (auch) für einen weiteren s Stein der ebenfalls rein zufällig (ebenfalls quasi „unsichtbar“, weil „laxe“ betrachtet nicht notwendig!) auf c8 stehen könnte. Diesfalls kann dann aber der auf b3 in meiner 2. Alternativlösung geschlagene sL auch im Rahmen der Auflösung … (wegen „unsichtbar“ besetztem Wiedergeburtsfeld c8) nicht wiedergeboren werden. Auch die 2. Alternativlösung wäre derart nicht zwangsläufig ILLEGAL, obwohl der sL im Diagramm nicht auf c8 steht (weil stehen kann)!!!

        Das ergäbe also in laxer Interpretation demnach 3 mögliche Lösungen, von denen 2 nicht eindeutig ausgeschlossen werden können…! Circe-Probleme dürften für eine laxe Interpretation besonders ungeeignet sein, weil ein „unsichtbar“ besetztes Wiedergeburtsfeld massive Wiedergeburts-Auswirkungen auf die Lösung haben kann…

  2. Aufgrund von Circe (mit durch Schlag auf w Feld wBx?=T umgewandeltem wT bei dadurch besetztem Wiedergeburtsfeld auf s Seite) und monochromer Bewegungseinschränkungen dürfte nur wKxD als letzter Zug verbleiben?

    • Aufgrund der mononochromen Bedingung können die beiden Könige dicht nebeneinander stehen (und aneinander vorbei kommen). Das eröffnet einen Ausweg, so daß zuletzt ein bestimmter schlagfreier Zug geschehen sein kann!

    • Sorry, in meinem vorstehenden Ansatz (wKh2xD) hat sich leider ein Denkfehler eingeschlichen! Der wT kann nach wBx?=T vom Umwandlungsort auf Reihe 8 (w Feld) ja nicht auf Reihe 1 zurückkehren. Das könnte nur dann geschehen, wenn stattdessen der (originale) wT auf Reihe 7 einen sB auf dessen w Urspungsfeld schlug (daher auch keine Wiedergeburt des sB) und danach auf h1 zurückkehrt… Aber auch derart ergäbe sich die Frage, warum dabei die sD im Diagramm nicht wiedergeboren wurde…

      Daher neuer Gedankengang: Der wT im Diagramm wurde tatsächlich auf Reihe 8 mit wBx?=T umgewandelt und konnte DAHER auf a2 gelangen, wo er im vorletzten Zug vom sKb1xTa2 [+Th1] geschlagen wurde um auf h1 wiedergeboren zu werden. Gemeinsam mit einem noch unbewegten wKe1 (siehe Kommentar Bernd G.) könnte er daher im letzten w Zug… Aber auch dieser Ansatz kann nicht die Frage beantworten, was mit dem letzten s Stein auf s Feld geschehen ist (wegen Circe müsste er doch noch vorhanden sein, oder direkt auf seinem Wiedergeburtsfeld geschlagen worden sein – aber von welchem w Stein???)…

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