Retro der Woche 25/2021

Gestern hatte ich an den 25. Schach-960 Geburtstag erinnert; dieses Thema zu vertiefen kann ich gut mit der schon angekündigten Vorstellung von Aufgaben aus dem Probleemblad 2017-2018 Preisbericht verbinden.

Per Olin
Probleemblad 2018, 2. ehr. Erw. 2017–2018
Beweispartie in 14,5 Zügen, Schach-960 (16+16)

 

Um die weißen und schwarzen Türme auf ihre Positionen im Diagramm zu bringen, müssen die Parteien entweder rochiert oder die Könige nach f2 und f7 gebracht haben, um die Türme jeweils durchzulassen. Die Rochade ist hier der schnellere Weg. Die Läufer standen in der Anfangsstellung jeweils auf „östlichen“ Feldern (anderenfallls wären sie noch eingesperrt). Wenn die schwarze Dame zwei Züge macht, beginnt sie ebenfalls auf einem der vier Felder e8-h8; von den entsprechenden Feldern e1-h1 kann die weiße Dame in einem oder zwei Zügen das Feld b6 erreichen. Das Minimum an Springerzügen bekommen wir, wenn die Springer auf d und e beginnen: drei weiße und zwei schwarze Züge.

Dies deutet darauf hin, dass die Türme und Könige auf den a-, b- und c-Linien stehen (und damit die Könige auf b), die Springer auf d und e sowie Dame und Läufer auf f, g und h. Wenn dies der Fall ist, muss ein Läufer auf der g-Linie stehen, und die Dame beginnt auf f oder h.

Zählt man die minimale Zügezahl von Weiß, wobei die Rochade wie immer als Königszug gezählt wird, so kommen wir auf König 3, Dame 2, Türme 1+1, Läufer 1+1, Springer 2+1 und Bauern 2, also insgesamt 14. Bei Schwarz: König 1, Dame 2, Türme 1+1, Läufer 2+1, Springer 1+1, Bauern 2, insgesamt 12. Damit bleiben 1+2 Züge noch unberücksichtigt. Die weiße Summe basiert darauf, dass der weißfeldrige Läufer auf f1 und die Dame auf h1 beginnen; die Summe von Schwarz ist gezählt mit dem schwarzfeldrigen Läufer auf h8. Das ist ein Widerspruch, was bedeutet, dass mindestens einer der noch offenen Züge auf beiden Seiten erforderlich ist.

Sobald der schwarze Läufer auf g2 steht, verhindert er seinerseits die weiße g-Rochade; d. h. Weiss muss rochiert (und damit vorher bereits f3 und Le3 gezogen) haben, bevor der schwarze Läufer auf g2 ankommt. Der benötigt also drei Züge, um über h3 nach g2 zu gelangen, womit der zweite der drei noch freien Züge verbraucht wird. Der dritte muss verwendet werden, um den weißen Läufer nach h3 zu bringen, dafür muss der schwarze temporär nach f1 ausweichen, also noch einen Zug aufwenden.

Damit haben wir als Anfangsstellung TKTSSDLL.

Lösung

Im erwähnten Preisbericht hatte ich über diese Aufgabe geschrieben:

Chess960 is a very interesting “fairy condition” for retros, but strictly speaking it’s purely “orthodox” according to the FIDE chess rules, since clearly defined there. If the Chess960 initial game array for a proof game must be figured out in the solution, it just combines aspects of standard proof games with classical retrograde analysis reasoning, which makes it very attractive for me. Here we have to deal mainly with the minimal number of moves to the diagram position; the proof game deals with the specific castling rules and fine clearance manoeuvres of the Bishops in Southeast.
I’d like to encourage you all to deal with and compose Chess960 retros!

One thought on “Retro der Woche 25/2021

  1. 1. The problem has been fully tested with Jakobi in a test that lasted a couple of days. Now when the use of constraints has been introduced it should be possible to shorten the testing time.

    2. Is Chess960 orthodox or fairy? To put my view short: Chess960 is by nature orthodox and by definition almost orthodox. The Codex for Chess Composition states that ‚chess compositions can be classified into those which apply the FIDE-rules of the game of chess and those which apply modified rules‘ (broad definition for orthodox and fairy). Chess960 is mentioned and described in Appendix E of the FIDE-rules. The Codex states that relevant for chess composition are articles 1 to 5, 9.2 and 9.3.; no reference made to an appendix; are the Chess960-rules modified rules?. – Time for an update of the Codex, for this and several other matters.

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