Retro der Woche 47/2020

Manchmal benötigt die Angabe der reinen Forderung einer Aufgabe noch zusätzliche Informationen, um sie besser in ihren Kontext einordnen zu können; so ist es mit dem nun schon über 70 Jahre alten Stück, das ich heute vorstellen möchte, auch.

Hugo August & Karl Fabel
Revista Română de Şah 1949
Letzte 16 Einzelzüge? (16+12)

 

Aber untersuchen wir zunächst die Stellung, um die letzten Einzelzüge zu identifizieren:

Schwarz hat offensichtlich keinen letzten Zug, Weiß muss daher mit der Rücknahme beginnen. Wir sehen bei Weiß auch schnell die vier Schläge: hxg sowie dxcxbxa, damit [Bd2] auf a8 in die zweite auf dem Brett stehende Dame umwandeln konnte.

Hierbei müssen wir berücksichtigen, dass Schwarz ständig vom Retropatt bedroht ist, dass ihm die Züge auszugehen drohen.

Also müssen wir dafür sorgen, dass der offensichtliche Umwandlungsläufer auf h1 möglichst rasch entwandeln kann.

In der Zeit muss sBa3 seine Züge zurücknehmen; natürlich nur bis maximal a6, da ja Weiß noch entwandeln muss.

R 1.S??-a4 a4-a3 2.Ke1-f2 a5-a4 3.f2-f3 a6-a6, und nun können wir den sLh1 befreien; der Bauer darf nur bis h5 zurückziehen, da ja noch [Th8] nach Hause gespielt werden muss, der vom [Bd2] geschlagen wurde. Also müssen wir uns schnell um die Entwandlung der zweiten weißen Dame auf a8 kümmern, um dann weiter entschlagen zu können und den Schwarzen damit vor drohendem Retropatt zu retten.

4.Sf3-h2 h2-h1=L 5.Da7-e3 h3-h2 6.Da8-a7 h4-h3 7.a7-a8=D h5-h4 8.b6xTa7 Ta8-a7, und nun weiter zurück 9.c5xT/Sb6, und es geht leicht weiter.

Nun ist auch klar, dass der erste Zug R 1.Sc3-a4 sein musste: Auf c5 oder b6 hätte er der Dame im Weg gestanden.

So weit so relativ einfach. Es handelte sich hier allerdings um eine Konstruktionsaufgabe, bei der nach dem Ende der eindeutigen Rücknahme die Stellung möglichst schnell zur Partieanfangsstel-lung PAS) zurückspielbar sein sollte – das Verhältnis der eindeutigen letzten Züge zur erforderlichen minimalen Gesamtzügezahl sollte also möglichst groß sein.

Das Ende unserer eindeutigen Rücknahmen lässt sich dann in weiteren 8,5 (nicht eindeutigen) Zügen zur PAS zurücknehmen; das Verhältnis ist also in Halbzügen ausgedrückt 16/33.

Lösung

Es geht hier also um die sehr interessante Verbindung klassischer Retroanalyse („Letzte Züge?“) mit der Zeitbeschränkung von Beweispartien: hier sind die letzten 16 Einzelzüge retroanalytisch begründet eindeutig, nicht wegen irgendwelchen Zeitdrucks, der durch die Forderung „Kürzeste Beweispartie“ impliziert wird.

Im Kompositionsturnier Messigny 2009 wurde das Thema in gewisser Weise noch einmal aufgegriffen: hier sollten bei eindeutigen Beweispartien die letzten Züge retroanalytisch bestimmt sein. Sieger dieses Turniers wurde P1085387; das Stück kommt auf ein (wie zu erwarten niedrigeres) Verhältnis von 12/32.

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