Retro der Woche 30/2020

Ursprünglich fälschlich zum zweiten Mal als „RdW 29/2020“ überschrieben.

Vor zwei Wochen hatte ich hier das erstplatzierte „Sonstige Retro“ aus dem StrateGems Jahresturnier 2019 vorgestellt; wie angekündigt soll nun der erste Preis der Beweispartien folgen.

Michel Caillaud
StrateGems 2019, 1. Preis
Beweispartie in 28 Zügen (12+15)

 

Betrachten wir zunächst einmal die Schlagfälle: Bei Weiß fehlen drei Bauern sowie die Dame, bei Schwarz nur ein Bauer. Zweimal (mit [Bb7] und [Bd7]) hat Schwarz auf die c-Linie geschlagen, und zweimal hat auch [Ba7] auf seinem Weg nach a2 geschlagen: Bei Schwarz fehlt ja nur ein Bauer, daher kann Weiß nicht zweimal geschlagen haben (entweder a2xb3xa4 oder ein Kreuzschlag auf a und b), um Ba2 durchzulassen.

Damit sind einerseits alle schwarzen Schläge geklärt, und andererseits wissen wir, dass der fehlende schwarze Bauer nicht geschlagen haben kann, er muss also auf der h-Linie geschlagen worden sein.

Dieser Schlag muss durch [Bg2] erfolgt sein, der sich dann ebenso wie [Bh2] auf h8 umgewandelt hat; die dritte weiße Umwandlung erfolgte schlagfrei durch [Bd2], nachdem Schwarz schon dxc gespielt hatte.

Zählen wir nun die sichtbaren schwarzen Züge: 3+2+3+4+5+10=27 –- damit ist noch ein schwarzer Zug offen. Stimmt das? Nein, wir wissen, dass Weiß u.a. schlagfrei seinen [Bh2] umgewandelt hat; daher kann sTh4 nicht [Th8] sein; er und [Bh2] hätten sich gegenseitig gestört. Also ist Tf7 der [Th8], die schwarzen Türme haben vier Züge machen müssen, und alle schwarzen Züge sind erklärt.

Nun gilt es zu eruieren, wie die fehlenden weißen Steine geschlagen wurden: Neben den 15 Excelsior-Zügen sehen wir drei Bauernzüge und einen Springerzug. Te2 macht ein wenig stutzig: Wäre er der [Ta1], so brauchte es mindestens fünf Züge, ihn nach e2 (und [wLc1] wieder zurück) zu bringen; sparsamer wäre Ta1-a2 und UW-Td8-d2-e2 –- nur drei Züge. Das macht zusammen 22 –- es bleiben also noch sechs Züge, die Originaldame und die beiden Umwandlungsfiguren von h8 loszuwerden: Zwei müssen sich auf der c-Linie opfern, eine auf der b-Linie (für Ba7xbxTa2).

Das solltet ihr jetzt versuchen, in der Beweispartie umzusetzen -– und achtet besonders darauf, was dabei auf der Diagonale a5-e1 passiert –- das nämlich war es, was Preisrichter Hans Gruber (und auch mich) an der Aufgabe besonders begeisterte.

Lösung

Hans schrieb dazu: „Drei Umwandlungsfiguren verstellen dieselbe Diagonale, um zu entfesseln, sich selbst zu fesseln, entfesselt zu werden und wegzuziehen, bevor schlussendlich einer der Originalsteine ([Sb1]) dort hinspringt -– warum nicht eher? Das ist hochoriginell und perfekt konstruiert ohne offensichtliche Umwandlungssteine in der Diagrammposition.“ Ganz großes Kino!

3 thoughts on “Retro der Woche 30/2020

  1. The actions on the e1-a5 diagonal are incredible.
    Natch 3.1 found the solution in a couple of minutes, but I stopped the testing after a couple of hours, as no progress was visible.

  2. > zweimal hat auch [Ba7] auf seinem Weg nach a2 geschlagen:

    [Bb7] could also be on a2, and the a-pawn on the c-line. Doesn’t change the capture balance though so it’s not important.

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