Retro der Woche 27/2019

Für diesen wieder als so hochsommerlich angekündigten Sonntag habe ich eine relativ kurze, nicht ganz so schwere, aber sehr elegante Aufgabe herausgesucht: Sie entstammt dem Retro-Preisbericht für 2017 aus StrateGems; auf diesen Bericht hatte ich ja schon hingewiesen.

Nicolas Dupont
StrateGems 2017, 2. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (13+14)

 

Bei Weiß sehen wir ob der Homebase-Stellung sofort, welche Steine fehlen: [Ba2], [Be2] und [Lf1]. Bei Schwarz fehlen auch zwei Bauern, wir wissen aber noch nicht, welche das sind.

Allerdings lohnt es sich hier, im Gegensatz zu Weiß, die sichtbaren schwarzen Züge zu zählen: Da sehen wie 1+0+4+2+6+5=18 – alle schwarzen Züge sind im Diagramm bereist erschöpft.

Das hilft uns bei der Lösungsfindung schon deutlich weiter, wir können nämlich gleich zwei wichtige Schlüsse daraus ziehen.

Erstens haben die beiden fehlenden schwarzen Bauern nicht ziehen können; sie sind also beide zu Hause geschlagen worden.

Und zweitens können kann weder der sBb6 noch der sBf4 sein Diagrammfeld ohne Schlag erreicht haben: Beide schwarzen Türme haben ihr Diagrammfeld in zwei Zügen erreicht (Ta8-b8-b5 bzw. Th8-f8-f3 – auch nicht anders herum wegen der unbewegten [Dd8]).

Und damit wissen wir schon eine Menge: sBf4 hat nur zwei Züge zur Verfügung, also geschah Be7-e5xXf4, ebenso wissen wir bereist: sBc7xYb6. Beide Schläge geschahen auf schwarzen Feldern, also wurde [Lf1] auf c6 geschlagen.

Damit ist auch klar, dass die beiden fehlenden weißen Bauern nicht direkt geschlagen werden konnten, also müssen sie umgewandelt haben. Um das zu können, müssen sie beide einmal geschlagen haben – und wir wissen auch schon was und wo: Ba6xBb7 und Be6xBf7. Und damit kennen wir auch den letzten schwarzen Schlagfall schon genau: Bd7xLd6.

Nun gilt es „nur noch“ zu schauen, welche weißen Steine auf b6 und f4 geschlagen wurden?
Das können Originalsteine gewesen sein, die dann durch die Umwandlungssteine ersetzt wurden, oder das waren die Umwandlungssteine selbst. Jedenfalls wissen wir, dass Weiß zehn Züge bis zu den Umwandlungen braucht, dazu kommen Lf1-b5-c6 – damit bleiben für das Beseitigen der überschüssigen weißen Offiziere noch sechs Züge übrig.

Das sollte nun sicher zu schaffen sein – allerdings wird die Sache ein wenig kompliziert durch die Enge, die sich in der Gegend der Umwandlungen ergibt: die jeweiligen schwarzen Türme müssen nach den weißen Umwandlungen heraus, und die schwarzen Schläge müssen dann „hinter“ den Türmen erfolgen, außerdem müssen ja auch die schwarzen Springer noch irgendwie auf die Eckfelder gelangen…

Lösung
1.e4 h5 2.Lb5 Sh6 3.Lc6 dxc6 4.e5 Sd7 5.e6 Sb6 6.exf7+ Kd7 7.a4 e5 8.a5 Le7 9.f8=T Sf7 10.Te8 Tf8 11.a6 Sh8 12.axb7 Tf3 13.b8=T La6 14.Tc8 Tb8 15.Tf8 Sa8 16.Tf4 Tb5 17.Tb8 exf4 18.Tb6 cxb6.

Das gefällt mir sehr gut! Die Rückkehr der jeweiligen gleichartigen Umwandlungssteine auf ihr Entstehungsfeld (Donati-Thema), um sich dann draußen schlagen zu lassen (Ceriani-Frolkin Thema) finde ich sehr attraktiv.

Ein wenig hat mich allerdings überrascht, dass Nicolas diese Aufgabe nicht zum FIDE-Album eingeschickt hat.

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