Retro der Woche 26/2016

Ich konnte einfach nicht widerstehen, heute noch eine Aufgabe von Rustam Ubaidullajew vorzustellen, nachdem ich dies bereits in der letzten Woche getan hatte. Und wieder ist, wie man schnell sieht, ein Königsmarsch sicher nicht ganz unthematisch.

Rustam Ubaidullajew
StrateGems 2002, 2.-4. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (15+16)

 

Der schwarze König brauchte mindestens sieben Züge, um nach c2 gelangen zu können. Neben dem [Bg7] musste auch [Lf8] ziehen (und heimkehren), um seinen Monarchen durchzulassen. Damit sehen wir schon mindestens zehn schwarze Züge; noch sind acht frei.

Bei Weiß ist dies klarer, wenn wir die sichtbaren Züge zählen: 0+1+4+4+2+7=18 – alle weißen Züge sind erklärt. Sogar die Wege stehen schon eindeutig fest, da anderenfalls das Zügemaximum überschritten würde. So steht [Th1] sicher auf b3 – im anderen Falle brauchten die Türme fünf Züge, um ihre Position im Diagramm zu erreichen.

Damit ist auch klar, dass der einzige fehlende Stein [Bd2] zu Hause geschlagen wurde: Er hatte ja keine Zeit zu ziehen!

Dieser Schlag kann aber weder vom [Ke8] noch von [Lf8] (oder gar [Dd8]) ausgeführt worden sein, da sich ja der weiße König nicht bewegen konnte. Dafür kommt also nur ein schwarzer Springer in Frage. [Sg8] braucht bis d2 mindestens drei Züge, sind sechs für seine Rückkehr, sodass nun nur noch zwei schwarze Züge übrig sind. Und wir werden schnell sehen, dass wir die auch dringend benötigen.

Für die Schlussfolgerungen, die für das Finden der Lösung nun noch erforderlich sind, zitiere ich Silvio Baier, der die Aufgabe schon einmal besprochen hatte.

„Der schwarze König kommt nur nach Dd1-f3 nach c2. In diesem Moment muss der weiße Turm schon auf b3 stehen, was ein Schild auf c3 notwendig macht. Somit zieht Schwarz Lf8-g7-c3 und zurück. c4 kann erst nach e4, Lc4-e6 geschehen. Erst danach ist Lg7-c3 möglich. Um Eindeutigkeit zu gewähren, muss zunächst der schwarze Springer raus. 1.e4 Sf6 2.e5 geht nicht, weil der König über f6 rauskommt. Also muss schnell der Turm nach b3 gespielt werden – das ist eindeutig mit h4, Th3-b3, dann nach Sxd2 der Lf1, sodass c4 und damit gerade rechtzeitig Lc3 möglich ist. Der Rest
ist dann wieder verblüffend einfach.“

1.h4 Sf6 2.Th3 Se4 3.Tb3 Sxd2 4.e4 g6 5.Lc4 Lg7 6.Le6 Kf8 7.c4 Lc3 8.a4 Kg7 9.a5 Kf6 10.a6 Ke5 11.Ta5+ Kd4 12.Tf5 Kd3 13.Df3+ Kc2 14.Se2 Lg7 15.e5 Se4 16.Lg5 Sf6 17.Sd2 Sg8 18.Lf6 Lf8.

Wieder eine schöne Aufgabe, wie ich finde: Die erforderlichen Schilde, die erst dem schwarzen König den Weg nach c2 ermöglichen, kehren nach getaner Arbeit nach Hause zurück. Tolle Zugökonomie, und auch der einzige Schlag ist erforderlich, um überhaupt den König auf sein Diagrammfeld gelangen zu lassen.

One thought on “Retro der Woche 26/2016

  1. I could see Lh6-f8 and Sg8 to Sxd2 and Sc3 (that was my mistake!) and used a long time trying to use 8 S-moves from g8 and back. Much later I finally saw Lg7-c3. Very well hidden! At least for the amateur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.