Retro der Woche 11/2016

Eine wie ich finde sehr attraktive Rekord-Aufgabe möchte ich euch heute vorstellen. „Rekord und attraktiv – ist das kein Widerspruch?“ mag nun der eine oder die andere fragen.

Nein, mir gefällt dieses Stück nicht nur wegen seines „Rekord-Inhaltes“ sehr gut. Mich würde interessieren, was ihr davon haltet.

Olli Heimo
Suomen Tehtäväniekat 1997
Beweispartie in 18 Zügen (15+15)

 

Alle Bauern sind noch auf dem Brett – Umwandlungen können wir also ausschließen. Bei Weiß fehlt die Dame, bei schwarz der weißfeldrige Läufer. [Dd1] ist offensichtlich auf c6 gestorben, beim [Lc8] ist das nicht ganz so offensichtlich, auch wenn man vielleicht bereits eine Vermutung hat…

Wie üblich wollen wir die im Diagramm offensichtlichen Züge zählen. Bei Schwarz sieht man genau vier Züge (Sg8-f6-e4-g5 sowie b7xDc6), und wir wissen damit, dass eine gerade Anzahl von schwarzen Zügen offen bleibt, selbst wenn der Sg5 nicht auf kürzestem wege nach g5 gezogen sein sollte: er hat immer eine ungerade Anzahl von Zügen gemacht.

Bei Weiß können wir ganz normal zählen; wir sehen 3+0+4+2+3+4=16 Züge. Damit wissen wir, dass [Dd1] in zwei Zügen nach c6 gezogen hat – alle weißen Züge sind damit erklärt.

Nun schauen wir uns einmal den „weißen Knubbel“ bis zur vierten Reihe an: Steine konnten allesamt erst gespielt werden, nachdem [Dd1] nach c6 gezogen hatte und [Lf1] nach a6. Dafür musste auch schon [Be2] auf e5 stehen, da die Dame über f3 ziehen musste (wieso ging nicht Dd1-a4-c6?).

Diese fünf Züge weißen mussten ganz am Anfang erfolgen – und damit ist klar, dass [Lc8] keine Möglichkeit hatte irgendwie mitten aufs Brett zu gelangen: Er wurde also auf a6 geschlagen. Damit stehen die ersten Züge fest:

1.e4 Sf6 2.e5 Se4 3.Df3 Sg5 4.Dc6 bxc6 5.Sc3 La6 6.Lxa6. Schwarz muss nun eigentlich nicht mehr ziehen, aber muss natürlich seiner Zugpflicht Genüge tun. Dabei muss er irgendwie ein Tempo verlieren, denn er hat noch 13 Züge vor sich, reine Pendel funktionieren deswegen nicht.

Ein Tempo kann nur [Dd8] verlieren, und dafür muss sie ins freie Feld hinaus. Denn stellte sie sich etwa nur nach b7, um [Ke8] pendeln zu lassen, ergäbe das zwangsläufig wieder eine gerade Zügezahl.

Also muss sie „nach draußen“ und einen irgendwo ein Tempo verlieren. Dies geschieht durch einen schlagfreien Rundlauf in 13 Zügen – das ist genau der Rekord, von dem ich einleitend gesprochen hatte.

Die Orientierung des Rundlaufs wird durch das weiße Spiel determiniert, ist aber nun sicher nicht mehr allzu schwer zu finden.

6.– Dc8 7.Ke2 Db7 8.Kd3 Db6 9.Kc4 De3 10.d3 Dh3 11.Lf4 Dh6 12.Te1 Dd6 13.Te3 Da3 14.Sge2 Da5 15.Td1 Db6 16.Td2 Db7 17.Sd1 Dc8 18.c3 Dd8.

Unglaublich die Tour, die die schwarze Dame vollführen muss, um das weiße Spiel nicht zu stören, speziell kein Schach zu geben. Sehr beeindruckend, und die Aufgabe ist wie ich meine völlig zu Recht ins Album gekommen.

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