Retro der Woche 50/2014

Heute stelle ich ein „kleines“ Stück vor: klein bezüglich der Zügezahl, aber mit interessantem und originellem Inhalt — aber hättet ihr das bei dem Autor anders erwartet? Ich auch nicht…

Reto Aschwanden
Die Schwalbe 2003, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 14,0 Zügen (14+14)

 

Um euch noch ein wenig neugieriger zu machen hier der Beginn des Kommentars zu dieser Aufgabe in der PDB: „Interessante und neue Idee, die gar nicht so leicht zu beschreiben ist.“

Das sollte euch dann endgültig zum Selbstlösen ermuntern, allzu schwer ist das Stück auch nicht…

Bei Weiß sehen wir zwei Züge im Diagramm, bei Schwarz hingegen müssen mindestens (und damit genau) 14 Züge geschehen sein, um die Stellung zu erreichen: 1+2+2+1+5+3=14.

Damit wissen wir auch schon sofort, dass die beiden fehlenden schwarzen Steine [Be7], [Bg7] nicht gezogen haben können, also zu Hause geschlagen worden sind.

Andererseits konnte Schwarz auch die beiden fehlenden weißen Steine [Bf2] und [Bh2] nicht direkt schlagen, da kein schwarzer Zug auf ihrem möglichen Weg geendet haben kann. Also müssen sie jeweils die beiden fehlenden schwarzen Bauern „nach links hin“ geschlagen haben, um sich dann umzuwandeln und dann irgendwie geschlagen zu werden.

Das benötigt 10 Züge; mit den beiden sichtbaren Zügen bleiben also noch zwei Züge für mögliches aktives Loswerden der weißen Umwandlungssteine übrig.

Hier hilft es, sich die schwarzen Züge gerade auf der achten Reihe anzuschauen: Da kommen sich offensichtlich [Dd8] und [Th8] ein wenig ins Gehege. Wieso kann die Dame nicht etwa über e7 nach h7 gelangen? Nun, wir wissen bereits, dass fxe7 erfolgt ist. Anschließend muss vor der Umwandlung auf e8 (und damit der Räumung des Feldes e7) Kf7 erfolgen — und damit ist die siebte Reihe für die Dame verschlossen.

Und dann stören auch noch die weißen Umwandlungsfiguren auf der achten Reihe: irgendwie müssen sie verschwinden — und genau das ist die originelle und sehr subtile Idee dieses Stückes!

1.f4 Sf6 2.f5 Sd5 3.f6 Sc6 4.fxe7 f5 5.h4 Kf7 6.e8=T La3 7.Tg8 Dxg8 8.h5 Sd8 9.h6 c5 10.hxg7 h5 11.d3 Dh7 12.g8=T Sc7 13.Te8 Txe8 14.Lh6 Te3.

Die beiden Umwandlungssteine ziehen jeweils auf das Umwwandlungsfeld des anderen Bauern, um sich dort schlagen zu lassen: Wenn das nicht originell, nicht witzig ist, dann weiß ich es nicht! Für mich hat dieses Stück Morzartliche Leichtigkeit.

Um auf den Kommentar von Gerd Wilts in der PDB zurück zu kommen: Der geht weiter: „Natürlich handelt es sich zunächst mal um das Ceriani-Frolkin-Thema mit 2 wTT (die durch Figuren statt durch die üblicheren Bauern geschlagen werden). Aber ist diese Idee nun erweitert durch einen Platzwechsel der UWT (wobei der erste T den Platz wechselt, bevor der zweite überhaupt auf dem Brett ist), oder ist es das Anti-Pronkin-Thema mit den Besonderheiten, dass die Ersatzfiguren ebenfalls Umwandlungsfiguren sind und dass der UWTg8 antizipierend ‘ersetzt’ wird?“

Interessant ist auch das einheiltliche Motiv für die Turmzüge , nämlich die Bahnung für [Dd8] bzw. für [Th8].

Zum Schluss noch die Frage nach dem 14. Zugpaar: Ist das noch berechtigt, obgleich der letzte thematische Zug doch bereits passiert ist? Ich glaube ja: 14.– Te3 räumt endgültig die thematische achte Reihe und verbirgt dadurch das dortige thematische Geschehen.

Ein sehr gelungenes Stück, wie ich finde!

One thought on “Retro der Woche 50/2014

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