Retro der Woche 14/2014

Zunächst war die Idee aus der Not geboren, nämlich möglichst rasch und trotzdem mit hoher Qualität eine Menge ausstehender feenschach-Preisberichte mit Ersatzrichtern zu erledigen: Dadurch wurde das Richter-Dreamteam Gruber-Ring-Brand geboren.

Wir haben gemerkt, dass das gemeinsame Richten nicht nur effektiv war, sondern gleichzeitig unheimlich viel Spaß machte – und drüber hinaus auch sehr interessante Einblicke in die „Denke“ anderer Richter gab.

Und so haben wir anschließend nicht nur aus der Not heraus, sondern geplant mehrere Turniere (nicht nur für Retros, sondern auch für Hilfsmatt und Märchenschach) gemeinsam gerichtet; dabei haben wir stets die Aufgaben einzeln „bepunktet“ (ähnlich wie beim FIDE-Album) – meist war die Übereinstimmung verblüffend groß. Spannend waren dann eigentlich „nur“ noch die Diskussionen über die Aufgaben, wo die Abweichungen größer waren. Aber immer sind wir zu einer einvernehmlichen Reihung gekommen.

So auch beim feenschach Retro-Informalturnier 2012, aus dem ich heute eine Aufgabe vorstellen möchte, die meiner Meinung nach ideal zum Selbstlösen auch für noch nicht so erfahrene Retrolöser ist: Gerade die geforderte Eindeutigkeit der letzten Züge sollte es noch ein wenig einfacher machen.

 

Gerald Ettl
feenschach 2012 (A. Kornilow in memoriam), 4. Lob
Letzte 24 Einzelzüge? (15+12)

 

Wenn ihr lösen wollt, solltet ihr euch folgende Fragen stellen: Welche Steine fehlen? Wo wurden sie geschlagen? Gab es Umwandlungen, wenn ja: wo? Wie kann der Retroknoten aufgelöst werden? Was ist Voraussetzung dafür?

Beginnen wir also mit der Abarbeitung der Fragen:

Bei Weiß fehlt nur der schwarzfeldrige Läufer, bei Schwarz Turm, weißfeldriger Läufer, Springer und der g-Bauer. Schwarz hat keine Doppelbauern; bei Weiß fehlt nur ein Stein, so dass die schwarzen Bauern nicht über Kreuz haben schlagen können oder nach einem Schlag durch einen zweiten zurück auf ihre Linie kehren konnten. Also muss Weiß die schwarzen Bauern am Damenflügel schlagfrei durchlassen, und das geht mit genau vier Schlagfällen (b2:a3, a:b, b4:c5, c5:d6), womit alle fehlenden schwarzen Steine erklärt sind – auch der [sBg7]. Der muss dazu auf f1 umgewandelt und auf dem Weg dorthin den fehlenden weißen Läufer geschlagen haben. Damit sind alle Schläge und Umwandlungen erklärt.

Der Käfig im Nordwesten kann nur geöffnet werden, indem die weißen Türme aus dem Käfing verschwinden. Das allerdings erfordert einen Schachschutz auf c8, um sich dann mit 1.– Xc8 2.Td8-d7 ??? 3.Tg8-d8 X kann wieder ziehen 4.Tg-g8+ zu befreien. Für den zweiten schwarzen Zug in dieser Folge fehlt allerdings im Moment ein mögliches Tempo; das muss zuerst geschaffen werden.

Das kann nur durch Ba3-a2 erfolgen; hierzu muss aber zunächst b2:Ya3 zurückgenommen – und vorher der fehlende schwarzfeldrige weiße Läufer nach Hause gebracht – werden. Dazu muss sich die einzige frei bewegliche schwarze Figur auf f1 entwandeln und den wL entschlagen. Erst wenn der wieder auf c1 steht, kann Weiß b2:Da3 zurücknehmen, so dass die Dame dann den endgültigen Schachschutz auf c8 geben kann.

Nun ist im Prinzip alles klar –- nur muss die sD möglichst rasch nach f1 kommen, da sonst Weiß zu früh die Züge ausgehen. Und der kürzeste Weg ist über c8!

Damit haben wir dann (Weiß beginnt mit der Rücknahme, da der schwarze König im Schach steht) die Lösung

R 1.Db6-a7+ Dc8-h8 2.Td8-d7 Df5-c8 3.Td7-d8+ Df1-f5 4.f5-f6 f2-f1=D 5.f4-f5 g3:Lf2 6.Ld4-f2 g4-g3 7.Lb2-d4 g5-g4 8.Lc1-b2 g6-g5 9.b2:Da3! Dc3-a3+ 10.f3-f4 Dh8-c3 11.f2-f3 Dc8-h8 12.Td8-d7 a3-a2.

Nun können zunächst die weißen Türme aus dem Käfig beholt werden, bevor dann die anderen Steine einschließlich des wK ebenfalls befreit werden können. Für nicht so geübte Löser empfehle ich, dies einmal bis zum Schluss durchzuspielen.

One thought on “Retro der Woche 14/2014

  1. ja, hier war es nun wirklich mal auch für mich möglich, die grundlegenden „punkte“ zur auflösung zu finden. leider habe ich mich dann darauf versteift, die sD von h8 aus via g7 und a1 auf ihr entwandlungsfeld f1 (zurück) zu bringen und fand dann keine fortsetzung.
    grasemann riet (wo das steht, habe ich vergessen), dass man im falle eines misserfolges beim lösen nicht zu lange an einem problem sitzen bleiben, aber das nachlesen und -spielen der lösung niemals versäumen solle. so habe ich es dann gemacht und fand, dass mir eigentlich alles klar geworden war, mit alleiniger ausnahme des erwähnten damenweges.

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