Retro der Woche 33/2013

Vielleicht erinnert ihr euch noch? Der erste Urdruck hier im Retroblog kam von Andrej Frolkin, und er zeigte ein „Färbe-Problem“, bei dem also im Diagramm alle Steine in einer Farbe dargestellt sind und dann erschlossen werden muss, welche wirkliche Farbe die einzelnen Steine haben.

Mit diesem Aufgaben-Typ hat sich Andrej schon mehrfach beschäftigt; ein hübsches, gar nicht so schwer zu lösendes Beispiel möchte ich heute vorstellen.

Andrej Frolkin
The Problemist 1989-90, 3. Preis
Färbe die Steine; Beweispartie in 17,5 Zügen (31+0)

Es fehlt nur ein einziger Stein, nämlich eine Dame, die auf der e-Linie von einem f-Bauern geschlagen worden ist. Damit stehen bereits die Farben aller Bauern auf a bis d sowie auf g und h fest: „oben“ sind es schwarze, „unten“ weiße Bauern.

Außerdem sehen wir, dass Ke1 und Dd1 von gleicher Farbe sind, anderenfalls könnte das Damenschach nicht erklärt werden.

Nehmen wir nun an, die Dame auf d1 sei weiß. Dann ist die schwarze Dame vom weißen f-Bauern geschlagen worden — und damit ist der Bauer auf f2 schwarz. Da wegen der weißen Dame auf d1 auch der König auf e1 weiß sein muss, bietet der sBf2 Schach. Dieses kann aber nicht zurückgenommen werden, da kein Schlag für einen schwarzen Bauern auf f2 mehr zur Verfügung steht.

Also war unsere Annahme, die Dame auf d1 sei weiß, falsch, ein klassischer Widerspruchsbeweis.

Also wissen wir, dass die Dame auf d1 und der König auf e1 schwarz sind. Damit ist dann der Bauer auf f2 weiß — und wir sehen den attraktiven Platzwechsel Kk, der natürlich durch die Färbung im Diagramm verborgen bleibt.

Nun hilft das Zählen der Züge: sK benötigt 7, sD 3 Züge, um auf die erste Reihe zu gelangen. Dann haben wir noch mindestens vier Bauernzüge bei Schwarz (a5, c5, h5 sowie fxDe6), dann noch Sg8-h6-f7 und Th6 — das sind 17, und damit haben wir auch genau vier Bauernzüge.

Und damit wissen wir, wie das Diagramm nach dem Färben ausschaut:

Andrej Frolkin
The Problemist 1989-90, 3. Preis
Stellung nach dem Färben; Beweispartie in 17,5 Zügen (15+16)

Das ist nun sicherlich nicht mehr allzu schwer zu lösen, auch wenn besonders die Manöver, um den schwarzen König nach e1 zu lassen, recht trickreich sind; speziell die Rückkehr des wSg1 gefällt mir sehr gut.

1.e4 c5 2.Dg4 Da5 3.De6 fxe6 4.Ke2 Kf7 5.Kf3 Kf6 6.Kg4 Ke5 7.Kg5 h5 8.Kg6 Kf4 9.Kf7 Sh6+ 10.Ke8 Sf7 11.Lb5 Th6 12.d3+ Dd2 13.g4 a5 14.Sh3+ Kf3 15.g5 Ke2 16.Sg1+ Ke1 17.h3 Dd1 18.Sf3++.

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