Andernach-Retro-Turnier

Am letzten Donnerstag hatte ich hier das Andernacher Kompositionsturnier angekündigt: Es geht um “Wurmlöcher”, die ich hier auch vorgestellt habe. Eine Kurzfassung der Definition, die vom Erfinder Hans-Peter Reich stammt, lautet:

Wurmloch zu sein ist die Eigenschaft eines Feldes. Endet der aktive Zug eines Steins auf einem Wurmloch, wird er in unmittelbar folgender Konsequenz in das Wurmloch gesogen und muss aus einem beliebigen anderen unbesetzten Wurmloch wieder austreten.

Die bis Samstagabend abgegebenen Aufgaben wurden in drei Abteilungen (direktes Spiel, Hilfsspiel und Retros) gerichtet. Es wurden sieben Retro-Aufgaben eingereicht, von denen vier in den Preisbericht aufgenommen wurden. Diese vier Aufgaben möchte ich hier vorstellen; Preisrichter waren übrigens Uli Ring, Torsten Linß und ich, die Kommentare zu den Aufgaben stammen von Uli.

Marco Bonavoglia
Andernach 2013, Abt. 3, 1. Platz
Wo sind die Wurmlöcher (minimale Anzahl)? b) wL nach e5 (4+1)

a) Wurmlöcher d5, d6, g8, R: 1.e5xd6-g8=D e.p.# d7-d5-g8
b) Wurmlöcher d1, h8, R:1.Td1xd8#.

Mit nur 5 Steinen und eleganter Zwillingsbildung werden die zwei überraschendsten Konsequenzen der Wurmloch-Regeln vorgeführt. Sie verdienen eine ausführliche Erklärung:

a) Stellung vor zwei Einzelzügen: -wDg8, +sBd7, +wBe5: Kh8 steht im Schach, das durch 1.d7-d5 — und Bd5-g8 (durch den Wurmloch-Tunnel) — gedeckt wird. Mit 2.e5xd6 e.p. nimmt Weiß sein Recht zum en-passent-Schlag wahr und wandelt sich nach der Wurmlochreise d6-g8 in eine Dame um. Durchaus bizarr, aber wurmologisch legal.
b) wDg8 und wLe5 sagen nicht Schach, weil ein Zug nach h8 illegal wäre, da der wTd1 das andere Ende des Wurmkanals blockiert. Nach Td1xd8 ergibt sich ein Doppelschach. Die Frage ist: Wie können wT und sK ihre Wurmlochposition erreicht haben? Antwort: Der sK erreichte h8 über d1, wonach das Betreten von d1 als illegal galt, mit einer Ausnahme: Der nach weißer Rochade O-O-O auf d1 landende Turm bleibt von Wurmloch-Regeln unbehelligt. So bestimmen es die Regeln.

Michel Caillaud
Andernach 2013, Abt. 3, 2. Platz
Beweispartie in 13,0 Zügen, 2 Wurmlöcher irgendwo auf dem Brett (16+16)

Autor: Das orthodox illegale Doppelschach durch sSg4 und sBf6 zeigt an, dass sich die beiden Wurmlöcher genau auf e5 und f8 befinden.

1.e4 g5 2.Ke2 Lg7 3.Kf3 Ld4 4.Kg4 Lb6 5.Kh5 Sf6+ 6.Kh6 c5 7.Kg7 h6 8.Kf8-e5 O-O! 9.Df3 Sg4 10.Df5 f6 11.f3 Kf7 12.Lc4+ Ke8 13.Ld5 Th8#.

Die Aufgabe demonstriert das Paradox eines scheinbar illegalen Doppelschachs. Durch “Rücknahme” der Rochade ist der Sachverhalt verschleiert und die Lage der Wurmlöcher muss durch Überlegungen erschlossen werden, wie sie oben (Platz 1, Stellung b) erläutert sind. Wer diese Pointe nicht durchschaut, wird vom Partieverlauf sehr überrascht sein.

Bernd Schwarzkopf & Bernd Gräfrath
Andernach 2013, Abt. 3, 3. Platz
Beweispartie in 5,5 Zügen, Wurmlöcher g1, g3 (14+15)

1.f4 e5 2.Sf3 exf4 3.g4 fxg3 e.p.-g1=L 4.Lg2 Ld4 5.O-O-Kg3 Le5+ 6.Sxe5.

Valladao (e.p.-Schlag, Umwandlung und Rochade) und Ceriani-Frolkin sind in einer nur 5.5-zügigen Beweispartie mithilfe zweier Wurmlöcher realisiert. Für die Verführung 3.– fxg3 e.p.- g1=D,T? 4.Se5 D,Tg2 5.Lxg2 -??- 6.O-O-Kg3 fehlt ein Tempo.

Bernd Gräfrath
Andernach 2013, Abt. 3, 4. Platz
Beweispartie in 8,0 Zügen, Wurmlöcher b8, h2 (15+16)

1.g3 Sc6 2.Lh3 Se5 3.Le6 Sg4 4.h3 Tb8-h2 5.c3 Txh1 6.Dc2 Th2-b8 7.Df5 Ta8 8.d3 Sh2-b8

Überraschende Nutzung des Wurmlochtunnels b8/h2 durch sTa8 und sSb8 für einen Ausflug in die weiße Südostecke mit Rückkehr.

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Nun hoffe ich, dass ihr durch diese Aufgaben angeregt seid, euch selbst mit dieser interessanten Märchenart zu beschäftigen: Auf Einsendungen zum Beispiel für die Schwalbe oder feenschach freue ich mich schon!

Übrigens müsst ihr auf die Prüfbarkeit von Wurmloch-Beweispartien durch Popeye 4.63 noch etwas warten: Da haben sich in Andernach noch ein paar Fehler gefunden, die erst korrigiert werden müssen.

4 thoughts on “Andernach-Retro-Turnier

  1. Thanks for introducing the interesting new condition of worm holes.
    The last diagram is the same as the penultimate one.

      • … Und noch einen Tippfehler (besser gesagt: eine fehlende Anpassung aus der ursprünglichen LaTeX-Quelle) hab ich nach Hinweis von Uli Ring korrigiert — Danke, Uli!

      • Noch einen Fehler hab ich eben nach Hinweis von Michel Caillaud korrigiert: In seiner Aufgabe (2. Platz) fehlte die Anzahl der Wurmlöcher!

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