Retro der Woche 36/2020

In den letzten Wochen habe ich, auch in „Geburtstags-Beiträgen“, gelegentlich Hilfsrückzüger vorgestellt: Hier gilt es, Züge zurückzunehmen, sodass eine Vorwärtsforderung erfüllt werden kann, dabei kooperieren bei der Rücknahme Schwarz und Weiß, auch wenn sich im Vorwärtsspiel Schwarz verteidigen will.

Gelegentlich wird nur die Rücknahme eines weißen Zuges gefordert; hierbei kommt der „Hilfe“-Aspekt durch Schwarz natürlich nicht zum Tragen, dennoch verwendet man auch hier diesen Begriff, da Weiß hier aus retroanalytischer Sicht mehrere Rücknahmen zur Verfügung stehen, aber nur eine die Realisierung der Vorwärtsforderung erlaubt.

Walentin M. Filippow
Problem 1972, 1. Lob
-w, dann #2 (8+10)

 

Solch ein Stück wollen wir uns heute anschauen. Wäre Weiß nun in dieser Stellung am Zuge, könnte er 1.Lxa7 ~ 2.b8=D# versuchen – das aber scheitert an 1.— 0-0! Das bringt uns auf den Gedanken zu überlegen, wie wir die schwarze Rochade retroanalytisch verhindern können?

Da könnte wLb8 ein Ideengeber sein: Wenn wir nachweisen könnten, dass er Umwandlungsläufer ist, können wir vielleicht zeigen, dass er dann auf h8 entstanden ist – das würde erfordern, dass [Th8] bereits gezogen und damit das Rochaderecht verwirkt hätte. Also sollten wir zeigen können, dass vor kurzer Zeit auf d2 noch ein weißer Bauer gestanden hat.

Da fällt nun der weiße König auf: Dritte Reihe, auf der d-Linie, der schwarze Läufer beobachtet e3. Wenn wir nun Ke3xBd3 zurücknehmen, so kann das Schach gegen den weißen König nur durch schwarzen en passant Schlag entstanden sein: weiter zurück 1.—c4xBd3+ ep 2.d2-d4 c5-c4+ — und damit haben wir eine Stellung, in der wLb8 eindeutig Umwandlungsläufer ist.

Hat der nun nachweislich auf h8 umgewandelt? Dazu schauen wir uns die erforderlichen Schläge bei Weiß und Schwarz an, berücksichtigend, dass wir nun (mit dem zu Hause geschlagenen Lc1) eigentlich 10+11 Steine auf dem Brett haben: Wir sehen vier schwarze Bauernschläge: exd6, g7xf6xe5, hxg; es bleiben noch zwei Schläge frei. Ebenso sehen wir vier weiße Bauernschläge: cxb, gxfxexd, und es bleibt noch ein weißer Schlag frei.

Nun müssen aber noch wBa5 und sBa2 aneinander vorbeigekommen sein, dazu muss Schwarz axbxa gespielt haben, womit seine Schläge erschöpft sind; Weiß hat noch immer einen Schlag frei. Den aber kann er nicht benutzen, um mit dem übrig gebliebenen [Bh2] noch zu schlagen: Der muss auf einem schwarzen Feld umgewandelt haben; mit nur noch einem freien Schlag bei Weiß muss das h8 gewesen sein.

Und damit haben wir den Beweis erbracht, dass [Th8] bereits gezogen haben muss, Schwarz also sein Rochaderecht verwirkt hat.

Lösung

R : 1.Ke3xBd3 &amp ; vor : 1.Lxa7 ~ 2.b8=D# (1.— 0-0??)

En passant-Schlag, Umwandlung und (virtuelle) Rochade – also Darstellung des (virtuellen) Valladão-Tasks. Hübsch und eingängig, wie ich finde!

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