Retro der Woche 51/2019

Zurzeit beschäftige ich mich unter anderem mit dem Retro-Preisbericht des Probleemblad 2017 und 2018. Daraus möchte ich euch heute ein Stück zeigen, ohne dass ihr daraus Rückschlüsse auf eine mögliche Platzierung im Preisbericht ziehen könnt: Selbst wenn ich es wollte, könnte ich das selbst noch nicht!

Roberto Osorio & Jorge Lois
Probleemblad 1/2018
Beweispartie in 17 Zügen, 2 Lösungen (13+15)

 

Das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge ist schnell beendet, das der weißen ist deutlich interessanter: 3+1+3+3+2+5=17 – alle weißen Züge sind im Diagramm sichtbar. Damit ist auch weiter klar, dass die fehlenden weißen Steine ([Sg1] sowie zwei Bauern zwischen c und f) zuhause geschlagen wurden.

Spannend ist hier auch eine Untersuchung der letzten Züge: Was kann Schwarz zuletzt gezogen haben?

Wir wissen, dass der letzte schwarze Zug schlagfrei war. Also scheidet Ke8xXe7 aus. Ebenso scheidet aber auch Ke8-e7 aus, da dies zu einem illegalen Retroschach führen würde; deshalb kann auch Sa/c6-b8 nicht letzter Zug gewesen sein. Also bleibt nur De8-d8 – und diese Pendelei muss spätestens mit der Ankunft des wK auf b4 begonnen haben.

Danach sind aber offensichtlich noch einige weiße Züge erforderlich gewesen, mindestens Sc3, Tg1, Sd1, c3, Lb1. Schwarz muss also seine „Schlagtour“ relativ flott durchführen, um spätestens in seinem 11. Zug seine Stellung mit Ke7 zu verplomben.

Für diese Schlagtour gibt es nun zwei Alternativen, die zu den beiden Lösungen führen, die allerdings viele Übereinstimmungen haben: wir haben ja schon gesehen, dass zumindest die letzten sechs schwarzen Züge das Damenpendel sein musste.

Lösung


1. Lösung:


2. Lösung:

Die weißen Züge sind in beiden Lösungen vollständig identisch – zumindest wenn man im 4. Zug nicht zwischen KxLd2 und KxDd2 unterscheidet. Bei Schwarz unterscheiden sich die Schlagzüge der Pronkinsteine.

Sind die Pendel wirklich identisch? Einmal werden sie von der Originaldame, einmal von der Pronkindame ausgeführt – ziemlich paradox, und das war die wesentliche Intention der Autoren mit diesem Stück.

Aber überzeugt das bei dem komplett identischen weißen Spiel?

3 thoughts on “Retro der Woche 51/2019

  1. Das ist ein interessantes Problem, das allerdings durch die schon oft genutzte Plazierung des wKb4 und weißer Steine auf f6 und h6 (wodurch Pendel der schwarzen Springer vermieden werden) ein Pendel-Thema vermuten läßt. Ungewöhnlich ist die Darstellung mit zwei Lösungen, wobei sehr schwierig zu entscheiden ist, inwiefern das tatsächlich eine positive Erweiterung oder eher eine gepimpte Nebenlösung ist. Zum Glück bin ich nicht der Preisrichter!
    P.S.: Bei „Probleemblad 1/208“ fehlt wohl eine Ziffer.

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