Retro der Woche 08/2019

Nachdem ich im letzten Retro der Woche eine Beweispartie von Nicolas Dupont gezeigt hatte, möchte ich euch heute klassisches Retro vorstellen, das Nicolas als Preisrichter ausgezeichnet hatte und das mir auch sehr gut gefällt.

Nikolai Beluchow (*19. Januar 1990) hat schon als „Teeny“ hervorragende Retros gebaut, leider hat er sich wohl aus beruflichen Gründen am Kompositionsbrett sehr rar gemacht. Als die heutige Aufgabe veröffentlicht wurde, war er gerade einmal 20 Jahre alt!

Nikolai Beluchow
feenschach 2010, 2. Preis
Matt? (14+12)

 

Betrachten wir zunächst wie üblich die Schlagfälle: Schwarz verfügt über zwei Dopppelbauern, die die beiden fehlenden weißen Steine (Turm und [Lf1]) erklären.

Bei Schwarz fehlen vier Steine; drei davon sind direkt durch Bauernschläge erklärt (f:e3, b:c3 und dann auch a:b). Der letzte weiße Zug Db2 konnte offensichtlich nicht schlagfrei erfolgen, da es ja sonst bereits ein Schach durch Lc1 gegeben hätte.

Ich zitiere nun im Wesentlichen die Lösungsbeschreibung von Nicolas (übersetzt von Hans Gruber) aus seinem Preisbericht aus feenschach 212 (März-April 2015).

„Es liegt eine Mattstellung vor, aber es ist zu zeigen, dass die Stellung legal ist. Der letzte (weiße) Zug sollte 1.Db1:Xb2 gewesen sein, wobei der schwarze Stein X kein Bauer sein kann — es fehlen nur zwei weiße Steine, die auf der d-Linie bzw. der g-Linie geschlagen wurden, also kann die Diagrammstellung keinen dritten schwarzen Doppelbauern latent enthalten.

Der Käfig im Westen ist komplett verriegelt, so dass Schwarz rasch entschlagen muss, damit Weiß einen Schild auf b2 bereitstellen kann. Man beachte, dass sBa7 und sBf7 schlagfrei umwandeln mussten, da es keine weiteren weißen Schlagopfer gibt.

1.– g3-g2 2.h2-h3 h4:Tg3 Der Läufer kann nicht als Schild dienen, also muss ein Turm verwendet werden, der das Feld g5 nutzen muss, was erklärt, weshalb Weiß den h-Bauern zurückzog und nicht den g-Bauern.

3.Tg5-g3 h5-h4 4.Tc5-g5 h6-h5 5.Tc4-c5 h7-h6 -6.Tb4-c4 Auch wenn das Feld b2 vom Turm besetzt ist, ist der Käfig im Westen noch Verriegelt … Also muss der Stein von b2 den Käfig im Osten öffnen. Die einzige Möglichkeit hierfür ist eine Entwandlung auf f1 mit Rückspiel des Bauern nach f3, wodurch der Entschlag f2:Ye3 ermöglicht wird. Schwarz muss das sehr schnell bewerkstelligen (denn die verfügbaren weißen Rücknahmezüge sind knapp, es sind nur drei Züge des wBg6, da dieser g-Bauer noch nicht bis g2 ziehen darf, da dann [Lf1] in der Retrofalle säße, das heißt, der außerhalb des Käfigs zu entschlagende Läufer käme nicht mehr nach f1 zurück), und daher gibt es nur die einzige Möglichkeit X=Dame.

6.– Da1-b2! Ein sehr hübscher Trick — der Dreieckslauf der sD erlaubt der wDb1 eine Rückkehr, wodurch der entscheidende Rücknahmezug für Weiß herausgeholt wird.

7.Tb2-b4+ Da2-a1 8.Da1-b1 Df7-a2 9.Db1-a1+ Df1-f7 10.g5-g6 f2-f1=D 11.g4-g5 f3-f2 Weiß kann jetzt den schwarzen Stein Y entschlagen, um den Käfig im Südwesten zu öffnen — Weiß hat jetzt aber nur noch einen Rücknahmezug mit dem g-Bauern zur Verfügung. Die schnellste und daher auch einzige Möglichkeit ist Y=Dame, und die Dame wird auf a1 entwandelt (wir hatten bereits gezeigt, dass sBa7 schlagfrei umwandelte).

12.f2:De3 De6-e3 -13.g3-g4 Da2-e6 -14.Da1-b1Ab hier ist das Rücknahmespiel nicht mehr eindeutig, da Schwarz jetzt Te3-d3 oder f4-f3 zurücknehmen kann. Die Stellung ist jetzt frei, denn Schwarz kann d3-d2 zurücknehmen und der wLc1 wird beweglich.

Noch ein sehr gutes Problem mit einem scharf pointierten netten Thema – zwei Ceriani-Frolkin-Damen tauchen in einem eindeutigen (modulo Pendel) Retrospiel der Länge 13.5 auf. Die Motivation ist elegant, die Konstruktion ausgefeilt.“

Hier noch einmal die Lösung zusammengefasst:

R 1.Db1:Db2# g3-g2 2.h2-h3 h4:Tg3 3.Tg5-g3 h5-h4 4.Tc5-g5 h6-h55.Tc4-c5 h7-h6 6.Tb4-c4 Da1!-b2 7.Tb2-b4+ Da2-a1 8.Da1-b1 Df7-a2 9.Db1-a1+ Df1-f7 10.g5-g6 f2-f1=D 11.g4-g5 f3-f2 12.f2:De3 De6-e3 13.g3-g4 Da2-e6 14.Da1-b1

Wahrlich kein Stück, bei dem man auf die Idee käme, dass es von einem „Retro-Neuling“ stammt – das war Nikolai schon mit 20 Jahren nicht mehr! Ich wünsche mir jedenfalls, dass er bald wieder intensiv solch hervorragende Retros baut!

Ein Gedanke zu „Retro der Woche 08/2019

  1. It may also be noted that all captures and promotions are completely determined.
    Nikolai has had a short but spectacular retro career, with no less than 76 PDB entries in the four years 2009-2012 (5+46+18+7). I second Thomas’s wish, because Nikolai is unusually gifted.

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