Retro der Woche 18/2018

Kostas Prentos aus Albuquerque, New Mexico, leitet bei StrateGems schon seit vielen Jahren die Retro- und Beweispartien-Rubriken (die sind dort getrennt) und komponiert sehr schöne und immer interessante Beweispartien. Eine davon, die im letzten StrateGems Heft 2017 erschienen ist, möchte ich euch heute vorstellen.

Kostas Prentos
StrateGems 2017
Beweispartie in 22,5 Zügen (14+15)

 

Bei Weiß fehlen [Dd1] und [Bf2] oder [Bg2], bei Schwarz ein Turm, über die Orte, wo die fehlenden Steine verschwanden, können wir noch nichts sagen.

Das Zählen der sichtbaren weißen Züge ist schnell mit dem Ergebnis „4“ erledigt, bei Schwarz lohnt es schon eher: 3+2+2+5+5+4=21 – da bleibt also noch ein schwarzer Zug übrig.

Wirklich?

Vier schwarze Bauernzüge würden bedeuten, dass zuerst a5 und später bxa6 gespielt wurde; letzteres befreit erst [Lc8], der schon mindestens nach f3 gezogen haben muss, bevor c6 gespielt werden konnte. Das aber erst befreit [Dd8], die dann allerdings nicht mehr via a5 in zwei Zügen nach f5 gelangen kann. Entweder brauchte die Dame drei Züge, oder wir haben fünf Bauernzüge (bxa6, Lb7-f3, c6, Da5-f5, a5, Sa6-c7, a6 und gxf6). Also haben wir doch keinen schwarzen Zug frei.

Damit wissen wir, dass der fehlende schwarze Turm nicht hat ziehen können, also zu Hause geschlagen wurde. Damit kommt Bf3 von f2, und [Bg2] musste sich umwandeln, denn er konnte nicht direkt geschlagen werden.

Wir haben eben schon einige Abhängigkeiten der schwarzen Züge betrachtet, und dies können wir hier gut fortsetzen, da es uns hilft, die Reihenfolge der meisten schwarzen Manöver zu bestimmen. Vor sc7 muss [Ke8] auf sein Zielfeld gelangt sein. Dabei sollten wir im Hinterkopf halten, dass seine drei Züge mit oder ohne Rochade erfolgt sein können: Das hat auch auf die Zügezahl des sTg5, so er von a8 kommt, keine Auswirkungen.

Auch auf dem Königsflügel können wir verschiedene zeitliche Implikationen finden: Bevor der sSg7 sein Zielfeld erreichen kann, müssen [Lf8] und der schwarze Turm ihre Zielfelder eingenommen haben, und zwar in dieser Reihenfolge. Gleichzeitig behindert der Springer auf seinem letzten Feld vor g7, das kann nur f5 oder h5 gewesen sein, die schwarze Dame oder den weißfeldrigen schwarzen Läufer.

Daraus können wir schließen, dass die Öffnung der schwarzen Stellung sowohl im Westen wie im Osten recht schnell erfolgen musste, damit die schwarzen Figuren anfangen können, ihre Diagrammplätze einzunehmen.

Dabei haben wir bisher das weiße Spiel außeracht gelassen. Einerseits wissen wir, dass [Bg8] umwandeln musste (und auch irgendwie den Nordosten wieder verlassen musste), andererseits muss sich [Dd1] und ein anderer weißer Stein schnell auf f6 und auf a6 opfern mussten und dabei keine Zeit verlieren durften. Das geht am schnellsten beim Opfer von [Lc1] auf f6 und [Dd1] auf a6.

Und damit wissen wir auch, dass [Lc1] ein Pronkin-Stein ist, nämlich der umgewandelte [Bg2]. Der musste sich dann auf h8 umwandeln – und dabei den dortigen Turm schlagen. Also wissen wir, dass sTg5 von a8 kommt.

Spannend ist nun der „Rückweg“ des Umwandlungsläufers, denn wir haben ja schon gesehen, dass gerade die Besetzung der schwarzen Felder f4, g5 und g7 kritisch ist. Aber mit den Vorüberlegungen sollte die folgende Knobelei, um den Weg des Läufers von h8 nach c1 zu bestimmen, nicht mehr ganz schwer sein.

1.b3 Sf6 2.Lb2 Sh5 3.Lf6 gxf6 4.Dc1 Lh6 5.Da3 Lf4 6.Da6 bxa6 7.g4 Lb7 8.g5 Lf3 9.g6 c6 10.g7 Da5 11.gxh8=L Df5 12.Lg7 a5 13.Lh6 Sa6 14.Lg5 OOO 15.Lh4 Tg8 16.Lg3 Tg5 17.h4 Sg7 18.Th2 Lh5 19.f3 Kc7 20.Lf2 Kd6 21.Ld4 Sc7 22.Lb2 a6 23.Lc1..

Habt ihr nun auch gesehen, warum die lange Rochade und nicht der Weg des [Ke8] über d8 erforderlich war? So kommt [Ta8] früher nach g8 und g5.

Eine wie ich finde sehr gut konstruierte und spannend zu lösende Beweispartie, und wie meinte Löser Radovan Tomašević als Löser? „Extraordinary, I cannot believe that this is correct, but it is!“

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