Retro der Woche 43/2015

Das Ceriani-Frolkin-Thema, also der Schlag einer Umwandlungsfigur, ist zur Zeit eines der beliebtesten Themen in Beweispartien. Aber schon der erste Name in der Themenbezeichnung lässt vermuten, dass dies ursprünglich ein Thema der „klassischen Retroanalyse“ ist.

Und richtig, schon Luigi Ceriani hat sich in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts intensiv mit Doppelsetzungen von geschlagenen Umwandlungssteinen beschäftigt — meist einer Farbe.

Um das Ende des letzten Jahrtausends herum hat sich Alexander Kisljak intensiv mit gemischtfarbigen Ceriani-Frolkin-Umwandlungen beschäftigt und in einem Aufsatz in Die Schwalbe 199, Februar 2003, S. 22-24, eine Übersicht über sämtliche Kombinationsmöglichkeiten (wenn man dabei nicht nach Farben unterscheidet, was ich aber bei Auflöse-Aufgaben für nicht so sinnvoll hielte) gegeben; ein Stück aus dieser Serie, das mit besonders gut gefällt, möchte ich daraus vorstellen.

Alexander Kisljak
Phénix 2000
Letzte 32 Einzelzüge? (14+12)

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur der Stellung: Bei Schwarz fehlen vier Steine; drei davon wurden durch weiße Bauern geschlagen (g:f3, d:e und c:d), darüber hinaus kann das Schachgebot gegen den schwarzen König nur durch einen Schlag im letzten Zug erklärt werden, und damit sind alle fehlenden schwarzen Steine erklärt.

Bei Schwarz sieht man zunächst nur einen Bauernschlag (a:b6), aber wenn man sich überlegt, welche schwarzen Steine eigentlich fehlen, so ist darunter auch der h-Bauer, der allerdings auf seine Linie nicht geschlagen werden konnte. Er musste also selbst schlagen (h:g), konnte aber auf der g-Linie auch nicht direkt geschlagen werden, musste also auf g1 umwandeln. Damit sind auch die fehlenden weißen Steine erklärt.

Überlegen wir uns nun, wie der Retroknoten im Südwesten aufgelöst werden könnte: Das kann nur funktionieren, wenn der wK nach a5 oder c5 zurückzieht. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass Schwarz vorher a7:b6 zurückgenommen hat bzw. es direkt anschließend zurücknehmen kann.

Das aber kann Schwarz noch nicht: Unter den fehlenden weißen Steinen ist auch der [Ba2], der nicht direkt geschlagen werden konnte, sich also, da für ihn auch kein Schlagopfer zur Verfügung steht, auf a8 umgewandelt hat.

Diese Umwandlung müssen wir erst zurücknehmen, den Bauern dann zumindest bis a6 zurückgespielt haben, damit der Schlag Ba7:b6 zurückgenommen werden kann.

Nun überlegen wir uns, welcher weiße Stein sich denn auf a8 entwandeln soll. Dafür kommt nach dem ersten Eindruck nur Sc4 in Frage, der sich wegen des sSa5 leicht aus der Fesselung befreien kann. Aber Schwarz hat dann nur noch zwei Rücknahme-Züge zur Verfügung, anschließend ist er retropatt.

So einfach ist es also nicht; Schwarz muss also offensichtlich den weißen Umwandlungsstein erst entschlagen. Das kann er nur mittels h:g — und dafür muss sich erst ein schwarzer Stein auf g1 entwandeln. Welcher könnte das sein?

Hierfür kommt keiner der auf dem Brett stehenden Steine infrage, also muss auch der erst entschlagen werden — direkt im ersten Rücknahmezug von Weiß, bei der Aufhebung des Schachgebots. Das kann dann nur ein Springer sein, der dann vom wSc4 aus der Fesselung abgelöst werden kann, um sich dann auf g1 zu entwandeln.

Nun sollte es nicht mehr allzu schwer sein, die genaue Zugfolge zu finden:

R: 1.Ld1:Sc2 c7-c5 2.Se5-c4 Sc4-a5+ 3.Sc6-e5 f7-f6 4.Sb4-c6 Se1-c2 5.Sc2-b4+ Sg2-e1 6.h6-h7 Sf4-g2 7.h5-h6 Sh3-f4 8.h4-h5 Sg1-h3 9.h3-h4 g2-g1=S 10.h2-h3 h3:Dg2 11.Dg5-g2 h4-h3 12.Dd8-g5 h5-h4 13.Da8-d8 h6-h5 14.a7-a8=D h7-h6 15.a6-a7 a7:Sb6 16.Kc5-b5 Ka4-b3.

Übrigens erfüllt der erste Rücknahmezug schon das Ceriani-Frolkin-Thema, und das auch noch in einer Sonderform, die wir letzte Woche in einer Beweispartie gesehen haben: Der Umwandlungsstein wird durch eine Figur und nicht einen Bauern entschlagen, und das nennt sich dann Prentos-Thema.

2 thoughts on “Retro der Woche 43/2015

  1. A delightful resolution retro by the late Ukrainian master, and one of his easier retros to solve, but still with several pitfalls.
    Trying to unpromote Sa5 on g1 is too slow, and so is the try -1.Ld1xSc2 c5 -2.Sa3? Sc4 -3.h6 Se1 -4.Sc2, although here White just lacks one more retraction possibility. In the solution Black must choose carefully when to retract his c- and f-pawns.

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