Retro der Woche 40/2013

Thomas Volet gehört schon lange zu meinen Lieblingsautoren klassischer Retros, er beschäftigt sich in immer neuen Facetten besonders intensiv und erfolgreich mit dem Thema „Schachschutz“.

Wenn ein solch profilierter Komponist über eine seine Aufgaben schreibt „One of the few compositions of mine that I would call elegant, and clearly among my best.“, dann lohnt es sicherlich, sich dieses Stück einmal genau anzuschauen.

Thomas Volet
Phénix 2011 (M. Palewitsch & S. Wolobujew gewidmet)
Löse die Stellung auf! (13+14)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur der Stellung: Bei Weiß sieht man zwei Bauernschläge (axb und hxg), damit sind die fehlenden schwarzen Steine erklärt. Ebenso schaut es anders herum aus: axb, dxc und e3xf2 erklären vollständig die drei fehlenden weißen Steine.

Die fehlenden Bauern [wBe2] und [sBh7] konnten allerdings nicht direkt geschlagen werden; beide müssen sich also schlagfrei umgewandelt haben.

Um den Retroknoten im Westen und Südwesten endgültig auflösen zu können, muss e3xXf2 f2-f3 Sf3-e1 zurückgenommen werden; dann löst sich alles leicht weiter auf.

Das geht aber natürlich noch nicht sofort: Vorher muss [wLf1] nach Hause, vorher muss [wBe2] wieder zu Hause sein – sprich: Weiß muss vorher auf e8 entwandelt haben.

Um aber den [wLf1] heim holen zu können, muss Weiß h5xYg6 zurücknehmen – dies aber ist erst möglich nach der Entwandlung des [sBh7] und dessen Rückkehr mindestens bis h6.

Einen schwarzen Stein, der sich auf h1 entwandeln kann, kann Weiß zunächst nicht entschlagen; er muss sich also bereits auf dem Brett befinden – und dafür kommt nur die sDa2 in Frage. Damit sie den Südwest-Käfig verlassen kann, muss auf b1 ein Stein das Schach der sD auf a1 decken.

Das kann nur eine weiße Dame sein, und die ist dann auch die einzige Figur, die dafür in Frage kommt, sich auf e8 zu entwandeln (wLh7 muss ja nach f1…). Also muss die wD schließlich wieder aus dem Südwesten verschwinden; dies kann sie genau so wenig wie ihre schwarze Kollegin ohne Unterstützung – nun durch die schwarze Original-Dame!

Mit diesen Überlegungen können wir schon beinahe direkt die Aufgabe lösen:

1.– d5xDc4 2.Dc3-c4 Lg4-h5 3.Da1-c3 Lc8-g4 4.Db1-a1 Da1-a2 5.Lg8-h7 De5-a1 6.Lh7-g8 Dh2-e5 7.Lg8-h7 Dh1-h2 8.Lh7-g8 h2-h1=D 9.Lg8-h7 h3-h2 10.Lh7-g8 h4-h3 11.Lg8-h7 h5-h4 12.Lh7-g8 h6-h5 13.h5xDg6 Df6-g6 14.Ld3-h7 Da1-f6 15.Lf1-d3 Da2-a1 16.Da1-b1 Ld7-c8 17.De5-a1 Lc8-d7 18.De8-e5 Ld7-c8 19.e7-e8=D Lc8-d7 20.e6-e7 Ld7-c8 21.e5-e6 Lc8-d7 22.e4-e5 Ld7-c8 23.e2-e4 e3xSf2 etc.

Großartig finde ich an dieser Aufgabe den gegenseitigen, wiederholten Schachschutz der beiden Damen in echter Echo-Form –- da kann ich meinem Vornamensvetter nur zustimmen: Sehr elegant!

Hier noch die Zusammenfassung des Inhalts durch den Autor selbst:

The same array of the two Ks and the BQ must have occurred earlier in the forward play (but with the original BQ, who was captured on g6), and the chameleon echo of that array with WQ on b1 rather than BQ on a2 must also have occurred. The same screening mechanism is needed on both occasions when the Queens replace each other in the corner.“

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