Retro der Woche 47/2012

Im April-Juni Heft 2012 von StrateGems veröffentlichte der Kanadier François Labelle den brillianten Aufsatz The quest for a King-only proof game, in dem er die Computer-unterstützte Suche nach eindeutigen orthodoxen Beweispartien mit nur noch den beiden Königen auf dem Brett beschreibt.

1895 hatte Sam Loyd (wer sonst??) eine nicht eindeutige Beweispartie in 17 Zügen angegeben (New York Clipper 1895, wKe2, sKe7); Gerd Wilts und Norbert Geissler fanden 1994 mit Computerunterstützung eine solche eindeutige Beweispartie mit Zusatzbedingung (Die Schwalbe 1994, Spezialpreis, wKc2, sKg8, BP in 17, Schlagfall im 2. Zug von Schwarz).

Allgemein wurde vermutet, dass mit wachsender Zügezahl die Wahrscheinlichkeit für korrekte Beweispartien dieser Art sinken würde, aber mit wachsender Computer-Leistung (nicht nur Geschwindigkeit ist dafür entscheidend, sondern wesentlich der verfügbare Haupt- und Plattenspeicherplatz!) konnte Labelle weiter gehende Untersuchungen anstellen. Dass er keine korrekte Beweispartie in 18 Zügen finden konnte, schien die oben genannte Vermutung zu bestätigen, doch Labelle ließ sich nicht entmutigen und suchte weiter, indem er die Zügezahl erhöhte und gleichzeitig die Könige „weiter aufs Brett“ trieb.

Und so wurde er mit den Vorgaben an den Computer Länge = 19,5, wK-Reihe >=5, sK-Reihe <=3 fündig: Für diese Suche benötigte benötigte sein Rechner zehn Monate Rechenzeit und zwei Terabyte Plattenplatz!

François Labelle
P0330 StrateGems 2012
Beweispartie in 19,5 Zügen (1+1)

Unglaublich, und ich glaube, das ist für einen Menschen kaum zu lösen.

Daher bringe ich hier sofort die Lösung: spannend ist es vor allen Dingen, die Königswege zu verfolgen!

1.c4 e5 2.Db3 Dh4 3.Dxb7 Dxh2 4.Dxb8 Dxg1 5.Txh7 Txb8 6.Txg7 Txb2 7.Txf7 Txa2 8.Txd7 Txd2 9.Txa7 Kxd7 10.Txc7+ Kd6 11.Txc8 Dxg2 12.Txf8 Kc5 13.Txg8 Txg8 14.Lxg2 Txg2 15.Sc3 Txf2 16.Kxf2 Kxc4 17.Kf3! (nicht 17.Ke3?) Kxc3 18.Lxd2+ Kxd2 19.Ke4 Kxe2 20.Kxe5.

Labelle schließt nicht aus, dass es noch weitere solcher Partien gibt; ebenso hat er als „Abfallprodukt“ noch einige interessante Dreisteiner gefunden.

Ein sehr lesenswerter Artikel, und ich bin gespannt auf seine Fortsetzung!

Ein Gedanke zu „Retro der Woche 47/2012

  1. Potz Tausend!
    Oder eher: Potz Millionen?!
    Nein!
    Potz Yotta!!!
    Was auf dieser Erde (speziell der virtuellen) doch nicht alles möglich ist!
    PS: Wann wird es Computer geben, die das in einer Stunde bewältigen?

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