Preisrichter Hans Gruber war von den Spitzenproblemen des Yoav Ben-Zvi Gedenkturniers – gefordert waren Beweispartien mit zweckreinen Bahnungen bzw. Räumungen — hellauf begeistert, er sah das Turnier als „epochal“ an, „ … mit herausragender Qualität der Preisprobleme und einem Jahrzehnt-Problem an der Spitze. Die Zweckreinheit der Manöver erhöht deren Tiefe beträchtlich; mit dem Turnier sollten die Erwartungen an hervorragende Beweispartien künftig deutlich steigen. Die intensive Beschäftigung mit jedem der Preisträger verspricht großen Gewinn.“
Mit den beiden erstplatzierten Aufgaben haben wir uns im Retro der Woche 02/2023 bzw. 03/2023 bereits beschäftigt; heute steht das Stück von Platz 3 auf dem Programm:
Yoav Ben-Zvi Gedenkturnier 2022, 3. Preis
Beweispartie in 18,5 Zügen (15+16)
Zwei thematische Manöver kann man schon aus der Diagrammstellung erahnen: wTa1 hat vielleicht bahnend für die schwarze Dame Platz gemacht, ebenso wLc1 für seinen Kollegen von f8. Aber dafür hätte Hans Gruber sicherlich in solch einem hochklassigen Turnier den dritten Preis gegeben, wenn das alles wäre …
Die Betrachtung der Schläge — besser gesagt: des einzigen Schlages — bringt uns schon ein wenig weiter: Es fehlt nur ein weißer Stein, nämlich der a-Bauer. Der aber kann „mangels Schlagopfer nicht auf der b-Linie geschlagen worden sein; er muss also umgewandelt haben, und ein weißer Offizier wurde dann auf der b-Linie geschlagen.
Das macht das Zählen der nicht nur sichtbaren, sondern auch ableitbaren Züge nicht einfacher:
Beginnen wir mit den schwarzen Zügen: Da sehen wir 1+3+0+4+1+6=15, es sind also noch drei Züge frei. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass man einen Läuferzug einsparen kann (Lh6-c1 statt Le7-g5-c1), denn das kostet dann einen Bauernzug (g7-g6-g5 statt g5). Allerdings erkennen wir schnell, dass sTa8 für den weißen Umwandlungsbauern Platz gemacht haben und dann zurückgekehrt sein muss. Damit haben wir nur noch einen schwarzen Zug frei. Kann Schwarz den vielleicht für ein längerzügiges Damen-Manöver verbraucht haben, etwa Dd7-e6-a2-a1?
Bei Weiß sehen wir noch weniger: 2+0+1+2+0+2=7: Das ist, selbst wenn wir schon einmal den Excelsior des a-Bauern mit einrechnen, mit 12, also noch sieben offenen weißen Zügen, zunächst erschreckend wenig. Etwas tröstlich ist, dass wir natürlich noch einen Offizier auf der b-Linie loswerden müssen und wir den Umwandlungsstein von a8 wieder ins Spiel bringen müssen; außerdem sind wir sicher, dass wLd2 nicht mit einem Zug auskam.
Überlegen wir einmal welche Umwandlung auf a8 geschehen sein kann: Da kommen nur Turm und Dame in Frage: Ta1 hätte sich auf b4 opfern können (warum nicht auf b3?), also a4, Ta3-b3-b4 a5xb4, was nur drei zusätzliche Züge erfordert, wenn wir davon ausgehen, dass dann noch wTa8-a3 erfolgte.
Ein Opfer der Dame würde mehr Zeit benötigen: Df3-b3, und dann Da8-c8-g4-d1 als Pronkin: Das wären fünf Züge — zusätzlich wird dann ein zweiter Zug des wTa1 benötigt (und damit wäre die weiße Zügezahl erschöpft), da in diesem Falls der schwarzen Dame die Diagonale e6-a2 versperrt wäre.
Was ist also die richtige Umwandlung? Und warum funktioniert die andere nicht? Das wollt ihr nun sicher selbst erforschen!?
Also doch der Pronkin —und dafür ist zusätzlich eine weitere, reichlich verborgene, Bahnung erforderlich, und auch die Feldräumung auf a8 erweist sich als Bahnung mit anschließender Rückkehr.Das alles in so kompakter Zügezahl: Ein tolles Stück!