OzProblems

Nachtrag vom 28.3.2020: Peter hat mich auf die falsche Schreibweise der Seite aufmerksam gemacht; richtig ist ein großes „O“ am Anfang. Das habe ich nun korrigiert.

Schon seit 2010 betreibt Peter Wong die Seite OzProblems über Schachkomposition, speziell natürlich aus seinem Heimatland und -kontinent Australien.

Nun hat er die Seite komplett neu aufgesetzt, und sie lohnt wirklich einen Besuch: Interessantes Material über das gesamte Problemschach-Spektrum, bei dem natürlich die Retroanalyse, speziell das Thema Beweispartien, nicht fehlt.

Ich habe die Seite nun in meine Linkliste aufgenommen.

Aus dem Weihnachtswettbewerb 2019 möchte ich euch ein sehr nettes Scherzproblem „mit Tiefgang“ zeigen; viel Spaß beim Querdenken — die Lösung findet ihr hier wieder in etwa einer Woche.

Peter Wong
Chess.com Forum 2019
Scherzproblem: #1 (7+5)

 

 

aAuch wenn das Stück schon intensiv in den Kommentaren diskutiert wurde, hier trotzdem zusammengefasst die

Lösung

Früher war in den Schachregeln nicht festgelegt, dass in einen Stein gleicher Farbe umgewandelt werden musste. Also geht hier 1.axb8=T#. So weit, so alt…

Aber Schwarz hat doch keinen letzten Zug, ist also selbst am Zug und spielt deshalb 1.—c6#?!

Falsch: Schwarz hat doch einen letzten Zug, nämlich die Umwandlung in den weißen Turm auf a1, also z.B. a2-a1=wT!!

Also doch 1.axb8=sT#!

Eine, wie ich finde, sehr nette Retro-Erweiterung eines alten Gags.

11 thoughts on “OzProblems

  1. ok, ich verstehe jetzt den „Scherzcharakter“, wenn man „… derselben Farbe“ nicht auf den umzuwandelnden B sondern auf die Figur bezieht, die dabei geschlagen wird! Aber dies dürfte sachlogisch doch eindeutig sein, womit ein illegaler Zug zur Lösung erforderlich ist. Passt aber zum Datum!

    Wenn man hier also eine faktisch nicht existente Regel (ohne Anführung deren EXPLIZITER Anwendbarkeit!) zur Lösung berücksichtigen muss, dann könnte dies doch auch für eine andere gelten, nämlich „König im Schach wie Rose“! Und dann wäre diese illegale w-s Bauernumwandlung wegen des Selbstschachverbots sogar doppelt unzulässig … 😉 …!

    • Eben nicht illegal! Eine Weile waren die Schachregeln so geschrieben, dass die Umwandlung in einen Stein der anderen Farbe zulässig war: Ob die Regelschreiber das so intendiert hatten oder nicht — ich vermute mal nicht. Genau mit dieser unpräzisen Regel-Formulierung spielt / scherzt die Aufgabe.

      • ja, ich verstehe schon die Problematik dieser (wohl unbeabsichtigten) Formulierung, die sich auch noch in der aktuellen Fassung des FIDE-Handbuch (1.1.2018) findet. Aber ist die Sache heute nicht trotzdem eindeutig auszulegen? Wenn jemand bei einem normalen Schachturnier „so“ umwandelte, würde das denn heutzutage(!) gemäß FIDE als zulässig angesehen – das muss doch eindeutig zu klären sein? Es wäre mM eben nicht den Vorschriften entsprechend und damit „illegal“, auch wenn es als „Scherz“ präsentiert wird…

    • Walter,

      The (very) old promotion rule was ‚he must exchange that pawn as part of the same move for a new queen, rook, bishop or knight on the intended square of arrival‘. This allows white to promote to a black rook.
      This was at one time (IIRC somewhere end 19th century) changed into ‚he must exchange that pawn as part of the same move for a new queen, rook, bishop or knight _of the same colour_ on the intended square of arrival‘. (https://handbook.fide.com/chapter/E012018 rule 3.7.5.1)

      So this joke-problem uses the ‚old rule‘ for both the mating move and the justification for white having the move. At some point in history this wasn’t a joke problem but an actual #1.

      There are more rules that once allowed loopholes (the ones I remember are: the superlong castling with a promoted rook, at one time check was defined as ‚the king is attacked by one or two pieces‘, so exposing your king to a third attack lifted the check).

      • Joost,

        thanks for this explanation – I do understand that! And I already found some references to those different interpretations of chess rules in former times, and I was not aware of that before. And I do agree that Peter Wong here makes very good use of this intentional „mis“interpretation (at least from the current official perspective) as some kind of joke in this problem, and thanks to Thomas to having presented it. I like it, it’s a really good one (…now that I understand the „joke“ in it)! So with my first reply today I tried to „expand“ this kind of joke… sorry, if I failed in that!

        Anyhow I DO appreciate (especially as an elderly newcomer to this subject matter) the possibility to exchange views in this forum – THANKS to Thomas and everybody else who contributes here!

    • Joost,

      BTW when you quote the wording „…he must exchange that pawn as part of the same move for a new queen, rook, bishop or knight _of the same colour_ on the intended square of arrival…“ as a base for this joke by intentional „mis“interpretation, then wouldn’t your „…Last move was 0… a2-a1=wR…“ seem insufficient, because it must have been a bP that made this last move, causing the next move by w to mate (#1). And „_of the same colour_“ requires a white piece to be exchanged, standing on a1!!!“ So, the correct idea seems to be: „Last move was 0… b2 x a1=wR, so white mates with 1. a7xb8=bR“.

      I do not think it would be sufficient that a1 is the regular home of white pieces, or wouldn’t it?

    • Das ist halt eine nicht ganz so ernst gemeinte Sache, wo man mal humorvoll oder auch etwas sophistisch „um die Ecke denken“ sollte. Das kann/sollte man hier sogar zweimal…

      • Danke für die Antwort, aber es bleibt mir unklar, was hier „humorvoll“ wäre oder „zweimal um die Ecke denken“ erfordert. Es scheint doch eine logisch sehr simple Problemstellung zu sein?
        –> Vorsicht, nachfolgend SPOILER (oder doch nicht?):

        s kann den letzten Halbzug nicht gemacht haben, also MUSS es w gewesen sein. Und dabei kann zuletzt NUR der wB auf a7 gelandet sein (von a6 ziehend oder von b6 eine s Figur(!) schlagend – welches davon zutrifft scheint für die Lösung unter #1 auch vollkommen EGAL, obwohl das natürlich Auswirkungen auf die davor liegenden Bewegungen des sK bzw sL hätte, bzw auch auf die „Wirkung“ des wTa1).
        Nun zieht der sBc7-c6# und setzt den wK damit matt, weil es dagegen keine Verteidigung (bzw. Fluchtfelder) mehr gibt…

        … also mM reine Logik, was davon hat „Scherzcharakter“?

        Natürlich könnte stattdessen völlig unzweckmäßig (=“scherzhaft“?) auch der sBb5 ziehen und danach von wBb6 e.p. geschlagen werden. Das etabliert dann zwar eine „komische“, aber jedenfalls keine #1 Situation…

      • Halber Spoiler 😉 Noch etwas Spoiler: Es geht um eine alte Formulierung in den Schachregeln — mehr verrate ich aber jetzt nicht mehr, sondern erst bei der Auflösung / Aufklärung…

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