Retro der Woche 46/2019

Heute komme ich zurück auf die Mushikui Rekonstruktion, die ich am letzten Donnerstag hier vorgestellt habe. Dort könnt ihr auch die Schreibregeln für diese spezielle Art von Beweispartien nachlesen.

Bei dieser Art von Beweispartien wird nicht die Schlussstellung angegeben, sondern die Lösung – allerdings codiert, indem nur die Anzahl der Zeichen der entsprechenden Zugnotation angegeben wird.

(Für die Mathematiker unter uns: Auf die Zugnotation wird also eine Hash-Funktion angewendet, die die normalerweise gar nicht gewollte Eigenschaft hat, dass man unter gewissen Umständen die Ursprungswerte wieder erhalten kann.)

Schauen wir uns doch solch eine Partienotation an und überlegen, wie wir auf die zu Grunde liegende Partie schließen können.

Mu-Tsun Tsai, http://www.abstreamace.com/retro/ 11.6.2011
1.** *** 2.**** ** 3.**** **** 4.***** **** 5.*** **** 6.****** *** 7.**** ** 8.******* **** 9.** *** 10.******* *** 11.***** ****

Zunächst mag man kaum glauben, dass man aus diesen wenigen Informationen die Partie rekonstruieren kann. Schauen wir uns einmal an, wie man da lösend vorgehen könnte.

Einen guten Einstieg liefern bereits die ersten drei Halbzüge: Klar ist, dass es mit einem Bauernzug und einem Figurenzug losgeht: Schwarz kann in seinem ersten Zug also nur einen Springer ziehen.

Der zweite weiße Zug hat die Notationslänge 4 — das muss im zweiten Zug also ein Schlag sein. Da gibt es nur vier Möglichkeiten: 1.e3/e4 Sa6 2.Lxa6 oder symmetrisch: 1.d3/d4 Sh6 2.Lxh6. Damit haben wir die Lösungswege schon deutlich eingegrenzt.

Wie kommen wir nun weiter?

Der zweite schwarze Zug ist nun wieder ein schlagfreier Bauernzug, und dann geht es richtig rund: Im dritten und vierten Zug folgen keine „normalen“ Züge, also Schlag- und schachfreie Züge, wobei der 4. weiße Zug besonders interessant ist: entweder ein Schlagfall mit Schachgebot oder die lange Rochade.

Auch der sechste weiße Zug ist interessant: das ist entweder ein ep-Schlag, eine Umwandlung mit Schlag oder die lange Rochade mit Schachgebot. Ein ep-Schlag kann es nicht sein, denn der fünfte schwarze Zug war kein Doppelschritt eines Bauern –der wäre mit ** codiert. Eine Umwandlung scheidet auch aus, da kein weißer Bauer schon im 6. Zug die 8. Reihe erreichen konnte.

Also gilt es nun die Zugfolge zu finden, die unsere Ergebnisse bezüglich der drei ersten Einzelzüge sowie die Notationslängen der nächsten Züge berücksichtigt und im 6. weißen Zug die lange Rochade mit Schachgebot enthält.

Für den Rest der Zugfolge sind besonders der 8. und 10. weiße Zug von Bedeutung: Notationslänge 7 – das bedeutet schlagende, Schach bietende Umwandlung oder einen ep-Schlag mit Schachgebot.

Ahnt ihr jetzt schon das Thema?? Dann solltet ihr noch ein wenig tüfteln — und euch dabei auch klar machen, wieso die Umwandlung eindeutig ist?!

Lösung

Valladão-Thema (Umwandlung, ep-Schlag und Rochade). Eine Turmumwandlung im 10. Zug geht nicht, da dann der elfte weiße Zug ohne Schachgebot erfolgen würde.

Ich finde, das ist eine spannende Form der Darstellung eindeutiger Beweispartien! Auf der oben angegebenen Website der Quelle findet ihr noch reichlich Material hierzu.

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