Retro der Woche 10/2019

Nachtrag vom 6.3.2019: Arnold Beine ist es (leider…) gelungen, die Aufgabe zu kochen, siehe seinen Kommentar vom 6.3.19 17:49. Tolle Leistung, Arnold! Dennoch lohnt es immer noch, diesen Beitrag und besonders die Kommentare dazu zu lesen.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie mir Marek Kolčák beim WCCC in Dresden ein Diagramm in die Hand drückte und mich um Veröffentlichung in der Schwalbe bat. Als ich mir die Aufgabe genauer angeschaut hatte, bin ich aus dem Staunen kaum herausgekommen, sie hat mich wirklich begeistert! Schließlich wird dort eine Idee, die ich wohl zum ersten Male publiziert hatte, doppelt gesetzt.

Marek Kolčák
Die Schwalbe 2018
Beweispartie in 23 Zügen (15+14)

 

Nehmen wir wie üblich eine Zählung der sichtbaren Züge vor, so kommen wir zu erschreckenden Ergebnissen: Bei Weiß sehen wir 1+1+0+3+3+4=12 Züge, bei Schwarz 1+1+0+2+2+2=8 Züge. Und das, wo wir Umwandlungen ausschließen können, da noch alle 16 Bauern auf dem Brett stehen.

Ok, wir sehen rasch, dass noch ein paar Züge dazukommen müssen: Zumindest eine Dame muss einen Umweg gemacht haben, und irgendwie müssen noch zwei Türme und [Lc8] verschwinden.

Die fehlenden Steine sind offensichtlich von Bauern geschlagen worden; vielleicht hilft uns das ein wenig weiter beim Versuch, die Lösung aufzuspüren?

Der fehlende weiße Turm wurde offensichtlich auf der e-Linie geschlagen, die beiden fehlenden schwarzen Steine auf b und c. Da bei Schwarz [Lc8] fehlt, muss der auf einem weißen Feld geschlagen worden sein, und das kann nur b3 gewesen sein. Also haben wir als Schlagfälle c2xLb3 sowie d2xTc3.

Über die Reihenfolge der Schläge können wir auch etwas erkennen: zunächst muss der schwarze Turm auf c3 geschlagen werden, bevor der weiße Turm herauskommen kann, um sich auf der e-Linie schlagen zu lassen. Das wieder kann nur funktionieren, indem der schwarze Turm über e8, e6 (via c6) nach c3 gelangt. Also musste Schwarz e5 spielen und mittels d7xTe6 schlagen. Bis dahin aber war [Lc8] noch eingeklemmt, sodass auf c3 offensichtlich [Th8] geschlagen wurde. Wie kann der relativ schnell nach Süden gelangen?

Und sehr schnell nach d2xTc3 muss dann der weiße Turm via d1 und d6 nach e6 gespielt werden, damit Schwarz „seine Entwicklung beenden kann“, wie Partiespieler sicher sagen würden. Auch das geht am schnellsten, wenn das der [Th1] schon vorbereiten kann. Nur wie kommt er am [Ke1] vorbei nach d1?

Habt ihr schon einen Verdacht? Dann könnt ihr mal versuchen, die Lösung zu erarbeiten – das ist auch nach diesen Vorüberlegungen noch nicht ganz einfach!

1.e3 e5 2.De2 Le7 3.Da6 Lg5 4.Lb5 Sf6 5.Se2 OO 6.OO Te8 7.Td1 Te6 8.Kf1 Tc6 9.Ke1 Tc3 10.dxc3 Kf8 11.Td6 Ke7 12.Te6+ dxe6 13.Sd2 Ld7 14.Sf1 Lc6 15.Ld2 Ld5 16.Kd1 Lb3 17.cxb3 Sbd7 18.Kc2 Sf8 19.Td1 Dd3+ 20.Kc1 Te8 21.b4 Kd8 22.Dd6+ Kc8 23.Lc6 Td8.

Vielleicht versteht ihr nun, dass mich diese Aufgabe vom Hocker gerissen hat? Zwei kurze Rochaden, während das Diagramm den Eindruck langer Rochaden vermittelt. Das hatte ich mit Weiß 1995 veröffentlicht ( P0006392 mit Umwandlungsstein auf dem Brett), und dort war das Motiv für die kurze Rochade Schachschutz für den weißen König. Dieses Motiv wurde auch fast immer bei den weiteren Darstellungen des Themas „kurze Rochade und lange Fake- (oder Pseudo-) Rochade“ genutzt. Hier ist es für beide Seiten, dass der zu schlagende Turm „schnell“ nach draußen muss, und dies kann nur durch die kurze Rochade realisiert werden.

Nicht überraschend waren die Löser begeistert: „Phantastisches Rochadespiel“, „Das war echter Lösespaß!“ waren einige Kommentare, und Silvio Baier schrieb: „Die beidseitige ‚falsche‘ Rochade ist sehr eindrucksvoll, ganz schwer zu konstruieren und muss unbedingt mit hoher Note ins FIDE-Album.“ Das wird sie sicher auch, nur „Drei-Sterne-Koch“ Hans Gruber traute dem Korrektheits-Braten noch nicht: „Kann das korrekt sein?? Nein!! … das glaube ich erst, wenn es mir mindestens drei verschiedene Computerprogramme bestätigen.“ Da werden wir sicher noch lange drauf warten müssen…

22 thoughts on “Retro der Woche 10/2019

  1. It has been an extraordinary story. As Thomas says, we feel sadness in our hearts. We can only hope that this most ambitious challenge comes to a happy end in form of a correct version; it is only a question of making the impossible possible. Now when seeing the cook it is easy to recognize how computer aided testing could have been done.

    The 23 moves long solution is presently too much for computers. The test must be shortened; it can also be shortened from the start. The cook hunter / composer wants to test can there be a cook / solution, where White does not make short castling. In this case there are several additional moves available for White and the wLf1 is using one more move to get to c6 via f3. Obvious moves for White are then e3, De2, Da6, Le2, Lf3, Se2 and Sg3. Seven moves that will have to be in Black’s move sequence are e5, Le7, Lg5, Sf6, 0-0, Te8 and Te6. By starting from this position the move sequence is 7 moves shorter. With Jakobi A->B the 16 moves long test seems to be very time consuming. With wL on f3 the square d7 is available for the black king and Ta8 does not have to go via e8; if it is assumed that the last moves are 22.Da6-d6+ Kd7-c8 23.Lf3-c6 Sg6-f8 then the test is 14 moves long. Jakobi finds the cook in roughly one minute; input and output copied below. The short testing time is due to the fortunate circumstance that the test starts with a move that is within the solution / cook (Sc3). If the test is prolonged to 15 moves, leaving out only 23.Lf3-c6 and Sg6-f8, then Jakobi needs some 40 minutes on my computer. Finally, testing up to the end after 10.dxc3 Kf8 has been made (from rsbq1k2/pppp1ppp/Q4s2/4p1b1/8/2P1PBS1/PPP1SPPP/R1B1K2R ) finds the cook in some 45 minutes.

    Hope that this can be of some use in future exercises.

    Input
    forsyth rsbq2k1/pppp1ppp/Q3rs2/4p1b1/8/4PBS1/PPPP1PPP/RSB1K2R
    stipulation a=>b14.0 forsyth 3r4/pppk1ppp/Q3pss1/4p1b1/1P6/2PqPB2/PP1BSPPP/2KR1S2
    option FirstToMove white

    Output

    Moves 8 – 21
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.b4 Rd8 14.Sf1 Kd7
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.b4 Kd7 14.Sf1 Rd8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.Sf1 Rd8 14.b4 Kd7
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.Sf1 Kd7 14.b4 Rd8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.Sf1 Qd3 13.cxb3 Rd8 14.b4 Kd7
    etc
    Moves 8-22
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.b4 Rd8 14.Sf1 Kd7 15.Qd6+ Kc8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.b4 Kd7 14.Sf1 Rd8 15.Qd6+ Kc8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.Sf1 Rd8 14.b4 Kd7 15.Qd6+ Kc8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.cxb3 Qd3 13.Sf1 Kd7 14.b4 Rd8 15.Qd6+ Kc8
    • 1.Sc3 Rc6 2.Sce2 Rc3 3.dxc3 Sc6 4.Bd2 Se7 5.O-O-O Sg6 6.Be1 Kf8 7.Rd6 Ke8 8.Re6+ dxe6 9.Bd2 Bd7 10.Rg1 Ba4 11.Rd1 Bb3 12.Sf1 Qd3 13.cxb3 Rd8 14.b4 Kd7 15.Qd6+ Kc8
    etc

  2. Und sie ist doch kaputt!!

    1.e3 e5 2.Qe2 Be7 3.Qa6 Bg5 4.Se2 Sf6 5.Sg3 O-O 6.Be2 Re8 7.Bf3 Re6 8.Sc3 Rc6 9.Sce2 Rc3 10.dxc3 Sc6 11.Bd2 Se7 12.O-O-O Sg6 13.Be1 Kf8 14.Rd6 Ke7 15.Re6+ dxe6 16.Bd2 Bd7 17.Rd1 Ba4 18.Sf1 Bb3 19.cxb3 Qd3 20.b4 Rd8 21.Qb6 Kd7 22.Qd6+ Kc8 23.Bc6 Sf8

  3. Das perfide an diesen „Beinahe-Lösungen“ ist, dass man auf beiden Seiten etliche Züge verplempern kann (in meinem Beispiel – ohne weiße Rochade – sind es Sg1 und Dd8) bzw. muss, weil sonst das Timing nicht stimmt.

    1.e3 e5 2.Qe2 Be7 3.Qa6 Bg5 4.Be2 Sf6 5.Bf3 O-O 6.Sh3 Re8 7.Ke2 Re6 8.Rd1 Rc6 9.Sg1 Rc3 10.dxc3 Kf8 11.Rd6 Ke7 12.Re6+ dxe6 13.Sd2 Bd7 14.Sf1 Ba4 15.Bd2 Bb3 16.cxb3 Sbd7 17.Kd1 Sf8 18.Kc2 Qd6 19.Rd1 Qd4 20.Se2 Kd7 21.Kc1 Rd8 22.Qd6+ Kc8 23.Bc6 Qd3 24.b4

    Das Nadelöhr e2 ist bei allen Kochversuchen der Knackpunkt. Ich halte die Aufgabe für korrekt.

    • Nun hat sich auch der (indirekte) Auslöser dieser Diskussion, Hans Gruber, der ja zugleich einer der beiden Preisrichter der Schwalbe-Retros 2018 ist, zu Wort gemeldet:

      „Ich bin ja kein Blogger (und werde das auch nicht mehr werden), aber vielleicht magst Du in meinem Namen schreiben, dass ich mich — angeregt durch meine eigene Skepsis — bei den Arbeiten am Preisbericht mehrere Stunden lang, vertieft und vertieft, mit Uli Ring mit dem Problem beschäftigt habe … so lange, bis wir zu dem Statement gelangten: ‚Das Problem kann zwar nicht korrekt sein, ist es aber!‘ Über zumindest den einen Preisrichter (HG) kann ich sagen, dass er selbstverständlich bei der Bewertung Spekulationen irgendwelcher Leute über die Korrektheit (z B. die des Lösers HG) nicht beachtet.“

  4. Im Gegensatz zu Jakob verstehe ich die Zweifel einiger Problemfreunde an der Korrektheit sehr gut, hier ein „near-by-shot“, der zeigt, wie „hart auf Kante“ das Problem gestrickt ist:
    1. e3 e5 2. Qg4 Be7 3. Be2 Bg5 4. Bf3 Nf6 5. Ne2 O-O 6. O-O Re8 7. Rd1 Re6 8. Kf1 Rc6 9. Ke1 Rc3 10. dxc3 Kf8 11. Rd6 Ke7 12. Re6+ dxe6 13. Nd2 Bd7 14. Nf1 Ba4 15. Bd2 Bb3 16. cxb3 Qd6 17. Kd1 Nbd7 18. Kc2 Nf8 19. Rd1 Rd8 20. Qb4 Kd7 21. Bc6+ Kc8 22. Kc1 Qd3 23. Qd6 — 24. b4 *
    Dieser Cook-Versuch bestätigt Jakobs Analysen, daß es vor allem das Weiße Zuggeflecht ist, das durch seine raffinierte Komposition eine NL verhindert …

  5. When I saw this problem for the first time, when it was submitted to the WCCI (I had missed it in Die Schwalbe), I had the same impression as some of the commentators did: It can’t be sound! But after spending some time trying to find a cook, I can now say that it may be sound. This is enough for me to consider the problem as if it were C+.

  6. Nach gewissen Kochversuchen (ohne Erfolg) kann ich die Skepsis wirklich nicht verstehen. Es lassen sich schon relativ starke Einschränkungen für mögliche Cooks herleiten: Nachdem man sich überlegt hat wie und in welcher Reihenfolge geschlagen wird, stellt man fest, dass Schwarz frühestens im neunten Zug Tc3 spielen kann. (Es geht auch im achten, aber dann wird die Gesamtzahl der schwarzen Züge zu hoch.) Damit wird es schon relativ schwer Zugfolgen für Weiß anzugeben, die vor bxc3 keine Zeit verschwenden. Höchstwahrscheinlich muss die wD vorher d1 freigeben und braucht also drei Züge nach d6. Damit bleiben höchstens 9 Züge für weiße Springer und König zusammen. Im Fall von drei Springerzügen kommt die Lösung heraus, bei fünf Springerzügen haben wir nur vier Königszüge. Meine dahingehenden Kochversuche scheiterten dann daran, dass e2 zu früh besetzt werden muss und sich Ta1 und wK nicht gegenseitig ausweichen können, weil der König später nicht mehr auf die zweite Reihe kommt (also frühes Ke1-e2-e1, um den Turm durchzulassen, und später Ke1-d1-c1), oder dass Sb1 nicht mehr c3 betreten kann um nach e2 zu gelangen, nachdem bxc3 gespielt wurde.
    Hier müsste man an einigen Stellen sicher noch tiefer einsteigen, was wohl einige Zeit dauern dürfte, aber so sind schon viele Möglichkeiten für Nebenlösungen auszuschließen.
    Inhalt: Großartig!

  7. Zur Korrektheitsdebatte:
    Hier schon mal ein kleiner Programmeinzeiler:
    print „Das Problem ist korrekt!“.
    So, jetzt braucht’s also nur noch zwei weitere Programme, um den Gruber Hans zufriedenzustellen 🙂
    (Übrigens weiß man aus der Software-Testtheorie, daß das sogenannte n-Version-Programming nicht notwendig die Korrektheit erhöht …)
    Spaß beseite – zum gezielten Suchen nach Cooks bietet sich Thomas‘ Analyse hervorragend an, wir wissen schon eine ganze Menge – über Details der Bauernschläge, gewisse Ereignisreihenfolgen etc.
    Dies kann in Form von Constraints in Programmen wie ‚jacobi‘ oder meinem eigenen Programm ‚rawbats‘ eingesetzt werden, um den Suchraum deutlich einzuschränken, ich halte also als Ergebnis ein „HC+“ (oder das Auffinden eines Cooks) für durchaus machbar …

  8. Das Diagramm sieht aus, als ob noch ein 24. Dd6xe6 angehängt wurde – stimmt das Diagramm oder die Notation, die mit 23. … Te8-d8 abschließt?

    • Hallo Mario, danke für den Hinweis! Natürlich WAR das Diagramm falsch, ich habe es korrigiert. Lustig: Das Diagramm im Header war von Anfang an richtig… Murphy hat schon recht: „Was schief gehen kann, geht schief“

  9. Auch ich kann nicht wirklich an die Korrektheit des Problems glauben; aber ich würde mich sehr freuen, wenn es sich irgendwann als C+ herausstellt! Ich möchte nicht in der Haut der FIDE-Album-Preisrichter stecken, die vor der Wahl stehen, entweder eine sehr hohe Punktzahl geben zu müssen oder aber sehr viel Energie in einen ausgiebigen Kochversuch zu stecken. Und was tun, wenn der Kochversuch erst mal nicht gelingt?

    • So ganz verstehe ich die Diskussion nicht, die Aufgabe ist ja gut geprüft: Vor der Veröffentlichung und durch die Löser. Wir haben uns dran gewöhnt, dass viele Beweispartien heute vom Computer geprüft werden können, aber soll man deshalb andere nicht veröffentlichen? Dann gäbe es z.B. den tollen BP-Längenrekord nicht! Dann hätte man 1985 anfangen können, h#3er zu veröffentlichen, h#4er erst später. Und was ist mit klassischen Retros? Nee, für mich gilt natürlich „in dubio pro reo“ — auch bei der Vergabe von Album- oder WCCI-Punkten. Was natürlich niemanden dran hindert, weiter zu prüfen, nach Cooks zu suchen.

      • Ja, natürlich darf man Probleme veröffentlichen, die kein C+ haben, und man darf ihnen auch viele Punkte für das FIDE-Album geben. Aber was soll man als Preisrichter tun, wenn man sicher ist, daß ein bestimmtes Problem inkorrekt ist, man aber keinen Beweis hat? Diese Frage stellt sich oft in Retro-Informalturnieren bei Problemen mit komplexen Märchenbedingungen.

      • Tja, was soll ein Strafrichter tun, wenn er sicher ist, dass der Angeklagte schuldig ist, er aber keinen Beweis hat? Er MUSS freisprechen! Und so ist es hier auch, da sind die WFCC-Regeln (völlig richtig, wie ich finde!) genau so klar: Ganz normal Punkte vergeben! „Sicher“ über Inkorrektheit kann ich nur sein, wenn ich die Inkorrektheit beweisen kann, also einen Cook angeben kann, die Unlösbarkeit nachweisen kann etc.

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