Retro der Woche 25/2017

Heute möchte ich mit euch einen Blick in die Geschichte der Retroanalyse werfen; begeben wir uns gedanklich also 45 Jahre zurück.

Die heutige Aufgabe muss damals wie eine Bombe eingeschlagen sein – warum?

Nikita Plaksin
Sowjetskaja Moldawija 1972, 1. Preis
Welches war der letzte Zug? (11+13)

 

Betrachten wir zunächst wie üblich die Schlagbilanzen: Schwarz muss in seinem letzten Zug mit der Dame geschlagen haben, denn anders ist das Schachgebot im Diagramm nicht zu erklären. Darüber hinaus stammt sBa5 von c7, sBd2 von e7 sowie sBg6 von h7 – damit sind alle fehlenden weißen Steine erklärt.

Auch die Schlagfälle durch Weiß können wir rasch erkennen: [Lc8] wurde zu Hause geschlagen, [Bb2] hat auf die c-Linie geschlagen. Schwarz kann [Bf2] nicht direkt geschlagen haben, er muss sich also umgewandelt haben – das kann nur auf der e-Linie erfolgt sein, und damit ist auch der dritte fehlende schwarze Stein erklärt.

Bei genauem Hinschauen seht ihr, dass auch [Be2] und [Bh2] nicht direkt geschlagen werden konnten – auch sie müssen umgewandelt haben!

Nach diesen Überlegungen zu den Schlagfällen merken wir dann auch, dass die Öffnung des Retroknotens mittels d3xXe2 so schnell noch nicht möglich ist: Dazu muss [Be2] zunächst nach Hause zurückgespielt werden – und vorher muss noch [Lf1] wieder nach Hause kommen, da er wegen der Schlagbilanz nicht ausgesperrt werden darf.

R 1.—Db3xSb2+ 2.Sd1-b2 Lb2-c1+ 3.Se3-d1 b6xSa5 4.Sf5-e3 c7xSb6 5.Sd6-f6 f3-f2 6. Se8-d6 f4-f3 7.e7-e8=S f5-f4 8.e6-e7 f6-f5 9.f5xSe6, nun muss einer der weißen Springer auf h8 entwandeln (dafür muss f7 noch frei bleiben, daher ging 9.e5-e6 nicht, da dann f7-f6 hätte folgen müssen: illegal), dann kann h7xLg6 zurückgenommen werden, [Lf1] kehrt heim, und der dritte entschlagene Springer entwandelt sich auf e8. Wenn dieser Bauer dann wieder auf e2 angekommen ist, kann endlich der Knoten aufgelöst werden – mittels e3xSd2.

Warum nun musste Schwarz drei Springer entschlagen? Bei der Aufhebung des Schachgebots kann er nur einen Springer entschlagen, da Weiß ansonsten retropatt wäre. Und auf a5 bzw. b6 wären Entschläge von T oder D illegal, und L könnten nicht zur Umwandlung gehen: Also auch damit entstünden illegale Stellungen.

Dies ist die erste klassische Retroaufgabe, die das Ceriani-Frolkin-Thema dreifach setzt – und dann sofort einheitlich mit drei gleichen Steinen einer Farbe. Ceriani selbst hatte 1955 in seinem Buch 32 personaggi e 1 autore „nur“ Doppelsetzungen (je 2 S, L, T, D, siehe P0002338, P0002339, P0002340, P0002341) dargestellt, und 17 Jahre hatte es dann gedauert, bis Plaksin die Dreifachsetzung gelang.

Und dann dauerte es noch einmal 19 neun Jahre (Korrektur ThBrand), bis die Geschichte weiter ging…

2 thoughts on “Retro der Woche 25/2017

  1. Is this problem the reason for the name „Ceriani-Frolkin“? Fascinating how a basic thema can expand: not only to 4 (or 5?) captures, but also to the exact order of captures, the exact order, piece and field of promotion, and finally the exact order of play as such! I wonder if Ceriani and Plaksin understood what they hade started.

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