Retro der Woche 52/2014

Geht es euch auch so wie mir? In dieser eigentlich so ruhigen (wie die Bayern so herrlich, beinahe schon lautmalerisch, sagen: „staaden“) Adventszeit kommt immer wieder Hektik auf: Nicht nur wegen der Vorbereitungen für Weihnachten, sondern auch beruflich kommt dann meist zum Ende des Jahres noch eine Menge zusammen.

Diesen Wechsel aus Hektik und Ruhe finden wir auch in der Aufgabe, die ich euch heute vorstellen möchte – oder an die ich euch erinnern möchte, denn für mich ist dieses schon 30 Jahre alte Stück ein echter Klassiker.

Andrej Frolkin
Thèmes 64 1984, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 14 Zügen (15+15)

 

Zunächst einmal stellen wir fest, dass auf beiden Seiten jeweils genau ein Turm fehlt. Damit scheiden Umwandlungen aus, speziell der sSh1 ist ein Originalspringer.

Also zählen wir die sichtbaren Züge: Das sind bei Weiß 3+2+0+2+1+5=13 und bei Schwarz 0+0+0+0+5+4=9. Gut, bei Schwarz müssen noch drei Turmzüge hinzu kommen, da der fehlende [Ta8] ja auf d3 geschlagen worden ist.

Damit haben wir also 12 schwarze Züge, aber es fehlen immer noch drei Halbzüge. Die Frage ist nun natürlich, wo die sich verstecken.

Zunächst sehen wir, dass Weiß sein Tempo nicht mit seinem fehlenden Turm verloren haben kann: Der hätte nicht in einem Zug auf ein Feld gelangen können, wo er hätte geschlagen werden können. Also starb er zu Hause.

Vielleicht können wir etwas über die Reihenfolge der Züge herausfinden? Ja, Schwarz musste seinen Turm so schnell wie möglich auf d3 opfern; erst dann können Dame und König ihre Grundreihe verlassen. Auch [Lf1] kann vorher noch nicht ziehen, da ja g3 erst einmal frei bleiben muss für den schwarzen Springer auf seinem Weg nach h1.

Auch Sf3 ist noch tabu, da er dort alle weißen Steine auf ihrem Weg zum Zielfeld behindern würde. Also bleiben am Anfang nur Züge mit dem [Bh2] .

Und er muss es ruhig angehen lassen, um erst dann auf h6 anzukommen, wenn [Ta8] nach d3 ziehen kann. Damit haben wir den 14. weißen Zug bereits erklärt – er ist sogleich der erste!

Aber auch bei Schwarz sind noch zwei Züge übrig – wie und wo kann Schwarz die verlieren? Zu früh darf er das jedenfalls nicht machen, da ja auch g3 nicht allzu spät geschehen darf: Weiß muss Lf1-g2-b7 spielen, erst dann kann [Dd1] nach d5 ziehen, und erst dann kann auch erst Sf3 geschehen.

Wichtig ist noch die Frage, wie denn [Dd1] nach d5 gelangt ist: via f3 oder via h5? Über f3 kann sie nicht gekommen sein, denn Dd1-f3 hätte vor dem möglichen g2-g3 erfolgen müssen – und damit hätte sie ihrem Läufer den Weg nach b7 versperrt. Also muss sie über h5 gekommen sein, wobei sie „zufällig“ den sBf7 fesselt. Durch die Stellung des weißen Königs auf g4 ist auch ein Rückkehr-Manöver des [Sg8] ausgeschlossen.

Ergo müssen die beiden fehlenden schwarzen Züge am Damenflügel und am Königsflügel „verschwendet“ werden, und das ist nach den Vorüberlegungen nun nicht mehr allzu schwer zu finden:

1.h3 a5 2.h4 Ta6 3.h5 Td6 4.h6 Td3 5.exd3 Sa6 6.Dh5 Sc5 7.Ke2 Se4 8.Kf3 Sg3 9.Kg4 Sxh1 10.g3 b6 11.Lg2 b5 12.Lb7 c6 13.Dd5 f6 14.Sf3 f5+.

Drei Mal müssen Weiß und Schwarz einen Doppelschritt ihrer Bauern aufspalten in Einzelschritte: Einiges an Ruhe im Gegensatz zum hektischen Beginn bei Schwarz, erst seinen Turm loszuwerden und dann schnellstmöglich seinen Springer quer über das Feld zu scheuchen.

Wenn diese Aufgabe nicht in die Vorweihnachtszeit passt, dann weiß ich es nicht…

2 thoughts on “Retro der Woche 52/2014

  1. ja, das ist ein echt nettes stück. und thomas hat das ganze heute auch besonders liebenswürdig in eine vorweihnachtliche geschichte „verpackt“!
    14 züge sind auch für mich im bereich des gut überblickbaren. ganz im gegensatz zu einem beweispartie-„brocken“ mit 34.5 (!) zügen, den mir silvio baier gestern vorgestellt hat (mit lösung). aber dieser ist noch ein strenges geheimnis, und ich darf nichts weiter darüber ausplaudern…

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