Retro der Woche 10/2013

Gerade einmal 23 Jahre alt (* 19. Januar 1990) ist der Bulgare Nikolai Beluchow, der in den letzten Jahren als Riesen-Retrotalent aufgefallen ist. Er beschäftigt sich überwiegend mit klassischen Retros sowie mit ausgefallenen und originellen Aufgaben „am Rande des Schachbretts“, die auch einen Karl Fabel verzückt hätten.

Eine klassische Aufgabe von ihm möchte ich heute vorstellen:

Nikolai Beluchow
R0177 StrateGems IV-VI/2011
Löse die Stellung auf (11+14)

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur:
Das Schachgebot gegen den schwarzen König kann nur entstanden sein durch den letzten Zug R 1.a7xXb8=T+, damit und mit dem Doppelbauern auf der d-Linie sind die beiden fehlenden schwarzen Steine erklärt.

Insbesondere können die weißen Bauern auf g7 und (nun auch wieder) auf a7 nicht geschlagen haben. Dies erfordert also einen freien Weg zurück, d.h. b7xa6, a7xb6 und h7xg6. Damit kommt der schwarze f3-Bauer von g7, muss aber für den Entschlag zunächst den wBg7 durchlassen. Damit sind zusammen mit dem wLc1, der zu Hause geschlagen wurde, alle Schlagfälle erklärt.

Damit steht auch fest, dass der weiße h-Bauer schlagfrei auf h8 umgewandelt haben muss, und erst anschließend ist die Rücknahme von sBh7xYg6 möglich, das den Knopf zum Öffnen des gesamten nördlichen Retroknotens darstellt.

Aus diesen Überlegungen wird auch deutlich, dass Schwarz nicht umwandeln konnte, denn dazu hätte [sBd7] mindestens einen Schlagfall benötigt. Und damit ist auch das obige „X“ bestimmt: Der erste Rücknahmezug lautet also R 1.a7xTb8=T+.

Der ungestüme Versuch, sofort die Entwandlung zu forcieren, scheitert schnell an retropatt: Nach R 1.– f4-f3 2.Sf7-e5 f5-f4 3.Sh8-f7? hat Schwarz keinen freien Rücknahmezug.

Also müssen wir Tempi schöpfen — wer könnte dazu in der Lage sein? Nur der weiße Springer e5 zusammen mit seinem schwarzen Kollegen von d7. Und das schaffen sie mit fein abgestimmten Manövern, in denen sie sich beim Schachschutz des sK gegen wDe7 sehr kooperativ abwechseln:

R 1.a7xTb8=T+ Sc5-d7 2.Sd7-e5+ Sd3-c5 3.Lf7-g8 Sb4-d3 4.d3-d4 Sd5-b4 5.e2xd3 Sc7-d5 6.Se5-d7 Lg8-h7, und nun geht noch nicht 7.c2-c3? Lh7-g8 8.Lg8-f7 f4-f3 9.Sf7-e5 f5-f4 10.Sh8-f7 d4-d3 11.Lf7-g8 Lg8-h7 12.h7-h8=S d5-d4 13.h6-h7, denn Schwarz wird nach 13.– h7xXg6 retropatt.
Also geht es noch weiter:
R 7.Sc4-e5 Lh7-g8 8.Sa3-c4 Lg8-h7 9.Sb5-a3 Sd5-c7 10.Sc7-b5+ Lh7-g8 11.Lg8-f7 Se3-d5 12.Lf7-g8 Sg4-e3 13.Lg8-f7 Se5-g4 14.Lf7-g8 Sd7-e5 15.Sd5-c7 Lg8-h7 16.Se3-d5 Lh7-g8 17.Sc4-e3 Lg8-h7 18.Se5-c4 Lh7-g8 19.Lg8-f7 f4-f3 20.Sf7-e5 f5-f4 21.Sh8-f7 d4-d3 22.Lf7-g8 Lg8-h7 23.h7-h8=S d5-d4 24.h6-h7 h7xSg6 25.Se5-g6 Sc5-d7 26.Sd7-e5+, und nun löst es sich leicht auf.

Nikolai zeigt also fünf Springer-Springer Ablösungen auf der gleichen „Schach-Linie“: vier davon mit dem gleichen Springerpaar, bevor sich der weiße entwandelt und dann von seinem entschlagenen Original-Kollegen abgelöst wird. Damit haben wir hier auch noch quasi als Nebeneffekt das Phoenix-Thema dargestellt.

One thought on “Retro der Woche 10/2013

  1. Another fine retro by Nikolai Beluhov, whose emergence on the retro scene reminds me of Michel Caillaud, who emerged some 30 years earlier.

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