Retro der Woche 45/2012

Als ich die Einsendung der Franzosen Thierry Le Gleuher und Alain Brobecker für den Urdruckteil der Schwalbe sah, musste ich gleich an meine Jugendtage im Schachverein denken, wo wir beim Materialwart immer für Schnappatmung sorgten, wenn wir nach dem Training mal wieder auf den Gedanken kamen, ein kleines „Taschenspringer“ Blitzturnier zu organisieren.

Den Taschenspringer kennt ihr? Jeder Spieler bekommt vor der Partie einen zusätzlichen Springer seiner Farbe „in die Tasche“, den er dann im Laufe der Partie anstelle eines eigenen Zuges einsetzen kann — auch mit Schachgebot, auch mit Matt.

Diese Regel haben die beiden für eine Auflösungsaufgabe genutzt und sie mit einer sehr passenden Fragestellung verbunden:

Thierry Le
Gleuher & Alain Brobecker

15242V Die Schwalbe Juni 2012
Geschichte
der Springer? Taschenspringer (14+15)


Die ursprünglich veröffentlichte Fassung hatte Mario Richter gekocht, doch gelang den beiden Autoren schnell eine Korrektur; sie haben Turm und Dame auf g3 und h3 vertauscht.

Ich zitiere hier den Löser-Kommentar von Hans Gruber:

„Der wBg5 schlug einmal (den [Bg7]), die sBd2e3 schlugen zweimal. Damit sind nur noch je ein weißer und schwarzer Schlagfall bzw. Taschenspringereinsatz möglich. Eine Umwandlung bzw. ein Taschenspringereinsatz führte zum dritten schwarzen Springer im Diagramm.

R 1.- d3-d2+ 2.a7-a8=S (nicht bxa8=S, da dann die b-Bauern noch zwei Schläge bräuchten; nicht +TSa8, da, wie wir gleich sehen, die Taschenspringer rechts unten gebraucht werden) +TSh1 (nicht 2.- b7-b6, da Ld1 der [Lc8] ist und erst noch heimkehren muss) 3.Th1-h2 h2xSg1=S 4.+TSg1. Weiße Springer wurden auf d3 und e3 geschlagen, ein schwarzer Springer auf a7.

Also: Die weißen Originalspringer wurden auf d3 und e3 geschlagen. Ein schwarzer Originalspringer steht auf d1, der andere wurde auf a7
geschlagen. Ein weißer Umwandlungsspringer entstand auf a8. Ein schwarzer Umwandlungsspringer entstand auf g1. Der weiße Taschenspringer wurde auf g1 eingesetzt. Der schwarze Taschenspringer wurde auf h1 eingesetzt.

Das ist total lustig und originell.“

Lässt sich aus dieser „Märchenschachbedingung“ noch mehr für die Retroanalyse herausholen? Vielleicht versucht ihr euch ja mal daran?!

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