Retro der Woche 13/2026

Am Freitag hatte ich auf die Ausschreibung des WCCC-70-Turniers hingewiesen — und speziell dort auf die sehr genauen Vorgaben, welche Forderungen verbunden mit welchen Märchenbedingungen zulässig sind. So ist Schach-960 erlaubt, aber nur in Verbindung mit „Letzte Züge?“ oder „Löse auf!“ Forderungen.

Ohne also diesem Turnier in die Quere zu kommen, kann ich hier heute einen Verteidigungsrückzüger im Schach-960 vorstellen.

Joaquim Crusats & Andrij Frolkin
Die Schwalbe 2010, Hans Gruber zum 50. Geburtstag gewidmet
#1 vor 6 Zügen, VRZ Proca, Schach-960 (10+12)

 

Beim Verteidigungsrückzüger kooperieren, wie der Name schon andeutet, Schwarz und Weiß nicht: Weiß will nach der angegebenen Anzahl an Zug-Rücknahmen im Vorwärtsspiel Matt setzen — das versucht Schwarz mit seinen (natürlich legalen) Zugrücknahmen zu verhindern. Im Typ Proca bestimmt jede Seite für die eigenen Rücknahmen, ob und ggf. welcher Schlag in dem Zug vorkam.

Weiß will die a-Linie freispielen, um dann mit seinem Turm auf a8 Matt zu setzen. Um entsprechend umzugruppieren, muss er die Schwarzen beschäftigen.

Also versuchen wir R: 1.Kd6-c5 D∼-g3+/ Tf4-f2+ 2.c5xb6 e. p. b7-b5 -3.Sb6-a4 & vor 1.Txa8#. dies ginge wegen des sLa8 im orthodoxen Schach natürlich nicht. Wie kann sich Schwarz dagegen verteidigen?

Stört sich Weiß nicht an der „illegalen Stellung“ des Läufers, so nutzt Schwarz genau das für seine Verteidigung aus; er nimmt nämlich 1.— Tf4xBf2 zurück. Was hat er damit erreicht?

Nun ist klar, dass wLg1 auf seinem Partieausgangsfeld steht, da er nicht gezogen hat. daher ist das Partieausgangsfeld des sLa8 natürlich g8 — und damit ist das intendierte e.p.-Manöver illegal, da es den Läufer nun wirklich „illegal“ einsperren würde.

Wie kann nun Weiß mit dieser Schach-960 spezifischen Verteidigungsidee umgehen? Er kann sie Schach-960 spezifisch widerlegen! Wenn Weiß den Entschlag auf f2 verhindern könnte, wäre er am Ziel.

„Also“ spielt er R: 1. Kd4-c5 f6-f5+ 2.Kc5-d4 Th6-h5+ 3.f5xg6 e.p. g7-g5 4.Kd6-c5 — was hat er damit gewonnen? Ich behaupte, damit ist nun das störende 4.— Tf4xBf2 ausgeschaltet. Warum?

Begründung

Nun stand der weißfeldrige weiße Läufer wegen seines schwarzen Pendants auf h8 ursprünglich auf h1, und daher wäre nun nach 4.Kd6-c5 Tf4xBf2?? illegal, da damit der wTh1 eingeschlossen würde und er dieses Feld nicht mehr räumen könnte – das aber muss er können, damit der Läufer nach h1 zurückgespielt werden kann.

Nun kann Weiß also wie im Hauptplan fortsetzen: R 5.c5:b6 e.p. b7-b5 6.Sb6-a4 & vor 1.T:a8#.

Wie ich finde eine sehr hübsche Analogie der Retro-Argumentation bei Schwarz und Weiß, jeweils mit e.p.-Schlag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.