Retro der Woche 44/2013

Die Auswahl der heutigen Aufgabe habt ihr meiner Richter-Tätigkeit für das FIDE-Album 2010-2012 zu verdanken.

„Wie das? Das Stück gehört doch nun wahrlich nicht mehr zur Album-Periode?“ Richtig – aber gelegentlich muss man doch etwas intensiver nach Vorgängern suchen, und in diesem Fall bin ich fündig geworden: Unser heutiges Stück nimmt eine Einsendung für das neue Album recht deutlich vorweg.

Satoshi Hashimoto
StrateGems 1999, 5. Preis
Beweispartie in 15,5 Zügen (14+15)

 

Die übliche Zählung der offensichtlichen weißen und schwarzen Züge hilft hier nicht viel weiter: Bei Weiß sind nur vier, bei Schwarz immerhin neun Züge sichtbar. Schauen wir uns nun also an, welche Steine fehlen – Umwandlungsthematik können wir wegen der 16 Bauern sofort ausschließen.

Bei Schwarz fehlt die Dame, bei Weiß ein Springer und der weißfeldrige Läufer – und der ist besonders wichtig, da er „zu Hause“ auf f1 geschlagen werden musste.

Das wird sicherlich der Springer erledigt haben, und dabei hat er auch sofort den fehlenden weißen Springer mit beseitigt; das geht in weiteren vier Zügen – passt doch, da sind immer noch zwei übrig!?

Das passt fast, denn die schwarze Dame muss ja auch noch verschwinden: Das kann sie wegen des weißen Doppelbauern nur auf b3, und um dorthin zu gelangen, benötigt sie drei Züge: 9+4+3=16 – einer zu viel!

Also stimmt unsere Hypothese nicht, und die schwarze Dame selbst (wer sonst??) muss auf f1 geschlagen haben. Dafür allerdings muss der weiße König ausweichen: Via d1, c2 kann es nicht gehen, denn der Doppelbauer und damit das Loch auf c2 entsteht erst NACH dem Damenschlag auf f1. Also muss der König rasch starten, vor allen Dingen wegen der so einfach ausschauenden, aber sehr raffinierten Konstruktion des schwarzen Spiels: Zunächst muss Sg4 gespielt werden, dann e4, und erst dann kann die Dame ihren Fress- und Opfergang starten. Das heißt aber: Der wK muss sein Ausweichmanöver starten, bevor der schwarze Springer auf g4 erscheint – und er kann auf diesem Weg nicht zurückkehren.

Damit wissen wir schon, dass der weiße König einen (schlagfreien) Rundlauf machen muss, und auch die Dame muss Platz machen, um den wK via c2, d1 wieder nach Hause kommen zu lassen.

Damit haben wir schon „fast“ die Lösung:

1.f3 Sc6 2.Kf2 Se5 3.Ke3 Sg4+ 4.Kd3 e5 5.Sh3 Dh4 6.Sf2 Dxf2 7.h4 Dxf1 8.h5 Df2 9.Dg1 Db6 10.Dc5 Db3+ 11.cxb3 a5 12.Kc2 a4 13.Kd1 a3 14.Dc2 Lc5 15.Ke1 Lb6 16.Dd1.

Im 9. weißen Zug entscheidet sich, dass die weiße Dame auch einen Rundlauf machen muss: Eine einfache Rückkehr, z.B. Dc2-c6-c2-d1 ist nicht möglich, da c2 noch nicht offen ist. Stattdessen muss sie sich ihren Rundlauf-Weg von der schwarzen Kollegin bahnen lassen – optisch zusätzlich noch sehr hübsch! Eine sehr elegante Aufgabe, zu der der Autor („64 Proof Games“, S.32) selbst schreibt: „Rundlaufs in a slightly irregular combination of white king in 6 moves and white queen in 4 moves. I could make the construction quite simple because I found the opening sequence in which black queen and black knight cooperate. Nothing more, nothing less.”

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