Retro der Woche 22/2013

Wenn zwei Größen wie Michel Caillaud und Reto Aschwanden gemeinsam eine Beweispartie bauen, kann man davon ausgehen, dass das kein „08/15 Stück“ wird — und ihr werdet sehen, dass diese Annahme auch für die Aufgabe richtig ist, die ich heute ausgesucht habe.

Michel Caillaud & Reto Aschwanden
Phénix 2005, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17 Zügen (15+13)

 
Beginnen wir wie üblich mit dem Zählen der erforderlichen Züge: Weiß benötigt mindestens 16, um seine Steine in die Diagrammstellung zu bekommen (3xD, 4xT, 3xL, 2xS, 4xB), ein Zug ist also noch frei. Die Nordost-Ecke des Bretts kann nur dann rechtzeitig von den weißen Steinen erreicht werden, wenn [wLf1] schnell starten kann; dies legt nahe, dass Schwarz rasch auf f3 ein Schlagobjekt bereit stellt.

Dies kann offensichtlich nur der [sTa8] sein, um das zu beschleunigen, kann weiß seinen freien Zug dafür verwenden, ihn frei zu schlagen. Dann aber muss auch der [wBa2] zu Hause verschwinden. und zwar durch den [sTa8].

Wenn man dies mit berücksichtigt, sieht man, dass Schwarz mindestens 13 Züge benötigt, um die Diagrammstellung für sich zu erspielen; demnach kann auch der sLh1 kein Umwandlungsstein sein: [sBh7 benötigte einen Zug zu viel; außerdem kann Weiß den [sLc8] nicht zu Hause schlagen.

Also kommt der sLh1 von c8 — und muss auf seinem Weg nach h1 durch den „verminten Osten“ des Bretts, muss also einerseits darauf achten, dass er weißen Steinen nicht im Weg steht, andererseits wird er von diesen auch behindert.

Schaut euch also besonders genau die Motive für die schwarzen Läuferzüge an: Warum ziehen sie überhaupt, warum genau dorthin, warum nicht weiter oder zurück?

1.c4 d6 2.Da4+ Ld7! 3.Dxa7 Le6! 4.Dd4 Txa2 5.h4 Ta3 6.h5 Tf3 7.gxf3 Kd7 8.Lh3 Kc8 9.Lf5 Sd7 10.Lxh7 Lf5! 11.Sh3 e6 12.Tg1 Se7 13.Tg6 Lg4! 14.Sg5 f5 15.Tf6 Lh3! 16.Tf7 Lg2 17.Df6 Lh1

Das dürfte die Erstdarstellung des Trippelschritt-Themas in einer Beweispartie sein: Das Thema ist eher bekannt aus dem Hilfsmatt. Vor 40 Jahren haben Korolkow und Loschinski damit eines der berühmtesten (und besten) Hilfsmatts überhaupt mit einer ebenfalls fünfzügigen Läuferdarstellung gebaut, vor 20 Jahren Norbert Geissler und ich eine fünfzügige Turmdarstellung. Eine schlagfreie Darstellung im Hilfsmatt, wie sie hier in dieser großartigen Beweispartie gelungen ist, kenne ich jedoch nicht.

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