Gestern ging eine Ära zu Ende: Letztmalig erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Urdruck. Die Schachrubrik dort hatte eine große Tradition: Seit mehr als 75 Jahren hatte sie einen hervorragenden Ruf, wurde beinahe 50 Jahre lang bis zu seinem Tod von Theo Schuster (3. April 1911 bis 1. September 1998) geleitet, seitdem, also seit 28 Jahren, von Harald Keilhack.
Keilhack, ein starker Partiespieler mit höchster ELO-Zahl über 2.300 und auch jetzt mit über 60 Jahren noch über 2.200, hat nicht nur kompetent von Partieschach-Turnieren berichtet, sondern stets auch sein Augenmerk aufs Problemschach gerichtet. Und speziell in seinen „Weihnachtsrätseln“ mit stets weit über den Verbreitungsraum der StZ reichendem internationalen Teilnehmerkreis hat er sich auf populäre, dennoch inhaltsreiche Retros konzentriert — auch, weil die eben nicht per Computer „gelöst“ werden können. Wichtige Autoren waren, sicher nicht nur wegen des „Lokalkolorits“, Günther Weeth und besonders Werner Keym, auch natürlich Josef Haas.
Konsequenterweise erschien gestern als letzter Urdruck (Nr. 5533) ein zum Lösen einladendes Retrostück von Werner Keym.
Stuttgarter Zeitung 10.10.2026
Ergänze den schwarzen König, dann Matt in zwei Zügen. Wie viele Lösungen? (14+4)
Hier kann man natürlich alle (wenn ich mich nicht verzählt habe: 21) Felder, auf denen der schwarze König nicht im Schach stünde, ausprobieren. Und wenn man dann sein Prüfprogramm fragt, sollte man ja die Lösung finden? So viel sei schon verraten: Wer das glaubt, kennt aber Werner Keym schlecht …
Versuchen wir es also lieber „thematisch“: Ein potenzielles Feld für den schwarzen König springt gleich ins Auge, wenn man sich die weißen Steine im Südwesten anschaut, und da findet sich auch schnell ein Matt.
Nun fragen wir uns, welche Konstellationen noch „verdächtig“ erscheinen, weil man sich dort vorstellen kann, dass Schwarz (möglichst auch noch interessant) Matt gesetzt werden kann, denn mit einer einzigen Lösung hätte sich Werner Keym niemals zufrieden gegeben — und auch wäre dann die Fragestellung sicher anders gewesen.
Wie viele solcher Konstellationen erscheinen euch „verdächtig“, fallen euch auf? Auf wie viele Lösungen kommt ihr dann?
Schaut man sich die Diagrammstellung nun noch einmal genau an, so stellt man fest, dass bis auf den wSh8 alle weißen Steine an einem der Mattbilder mitwirken. Zdravko Maslar pflegte in solchen Fällen immer zu fragen: „Was ist die Determination dieses Steins?“ Die Frage stelle ich nun euch — eigentlich ist sie nicht schwer zu beantworten.
Zu bedauerlich, dass damit eine der letzten Problemrubriken in der Tagespresse verschwunden ist, in denen noch Urdrucke veröffentlicht werden können. Welche deutschen Tageszeitungen fallen euch dazu noch ein? Vielleicht können wir die ja durch euer „Schwarmwissen“ in den Kommentaren zusammentragen?